Die strategische Lage beim Spezialchemiekonzern Evonik spitzt sich zu. Während das Unternehmen seinen regulären Betrieb fortführt und am 3. November die Ergebnisse für das dritte Quartal vorlegen will, bestimmt das Ringen um eine mögliche Übernahme durch BASF das Geschehen. An der Börse spiegelt sich die anhaltende Spekulation wider: Das Papier notiert heute bei 21,62 Euro und liegt damit nur 0,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
RAG-Stiftung verweist auf Vorstandsebene
Für den weiteren Fortgang der Überlegungen kommt der RAG-Stiftung als Großaktionär eine Schlüsselrolle zu. Das Kuratorium der Stiftung beriet am vergangenen Freitag über das Interesse von BASF. Wie das Handelsblatt berichtete, legte sich das Gremium dabei weder für noch gegen eine Offerte fest, sondern verwies die nächsten Schritte auf Gespräche zwischen den Vorständen beider Unternehmen.
Die Stiftung selbst äußerte sich nicht zu den Inhalten der Beratungen. Medienberichten zufolge wies Evonik das Übernahmeangebot von BASF jedoch zurück. Vor rund zwei Wochen hatte BASF Sondierungsgespräche mit Evonik und der RAG-Stiftung bestätigt, den Ausgang der Gespräche jedoch als offen bezeichnet.
Evonik hatte daraufhin mitgeteilt, eine unverbindliche Ansprache zu einem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot für sämtliche Aktien erhalten zu haben.
Im weiteren Verlauf drängte BASF auf Übernahmegespräche und stellte laut Medienberichten eine Nachbesserung in Aussicht. Investoren und Analysten hielten dabei einen Preis von bis zu 25 Euro je Aktie für denkbar. Um Vorbehalte abzubauen, bot BASF Beschäftigungsgarantien an: Betriebsbedingte Kündigungen sollten ausgeschlossen bleiben, während ein Stellenabbau nur freiwillig und gegen Abfindungen erfolgen dürfte.
Operative Initiativen und Analysteneinstufungen
Abseits der M&A-Gespräche treibt das Unternehmen eigene Projekte voran. Am Dienstag startete Evonik gemeinsam mit der Toyotsu Chemiplas Corporation und Sanyo Chemical Industries eine Initiative in Japan.
Ziel der Kooperation ist das Recycling von Polyurethanschaum, um Polyole und Amine aus Altmaterial für die Herstellung neuer Produkte zurückzugewinnen. Anfang des Monats hatte der Konzern zudem eine biologisch abbaubare Polymerplattform für pharmazeutische Hilfsstoffe vorgestellt.
Die Übernahmespekulationen haben auch die Einschätzungen der Analysten verändert. Die LBBW hob am Dienstag ihr Kursziel auf 22 Euro an und bestätigte ihre Einstufung mit „Halten“. Zuvor hatte Berenberg am 2. Oktober die Aktie von „Sell“ auf „Hold“ heraufgestuft.
Analyst Sebastian Bray begründete diesen Schritt laut dpa-AFX ausdrücklich mit dem Übernahmeinteresse von BASF. Bis zur Vorlage der Quartalszahlen Anfang November dürften vor allem Neuigkeiten zu den Verhandlungen den Takt für die Aktie vorgeben.
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