Der Spezialchemiekonzern Evonik hat am heutigen Dienstag seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Nach einem operativ starken zweiten Quartal rechnet das Management nun mit einem höheren bereinigten Ergebnis. Maßgeblich für diese Entwicklung waren neben gestiegenen Absatzmengen auch Lieferengpässe bei Wettbewerbern aus dem asiatischen Raum, die dem Unternehmen eine ungeplante Sonderkonjunktur bescherten.
Operatives Wachstum übertrifft Erwartungen
In den Monaten April bis Juni verzeichnete Evonik einen Umsatzanstieg um 11 Prozent auf rund 3,9 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA kletterte im gleichen Zeitraum um 24 Prozent auf 630 Millionen Euro und lag damit am oberen Ende der zuvor kommunizierten Erwartungen. Diese positive Dynamik resultierte laut Unternehmensberichten sowohl aus einer Mengensteigerung von 7 Prozent als auch aus stabilen Verkaufspreisen.
Trotz des operativen Aufschwungs sank der Nettogewinn im Vorjahresvergleich um rund 31 Prozent auf 84 Millionen Euro. Eine deutliche Verbesserung zeigte sich hingegen beim Free Cashflow, der mit 49 Millionen Euro wieder in den positiven Bereich drehte, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Abfluss von 211 Millionen Euro zu verzeichnen war. Aufgrund der robusten Geschäftsentwicklung erwartet Evonik für das Gesamtjahr 2026 nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,0 und 2,2 Milliarden Euro. Zuvor lag der Korridor bei 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro.
Sonderkonjunktur durch geopolitische Spannungen
Die aktuelle Ertragslage wird wesentlich von externen Faktoren beeinflusst. Die Sperrung der Straße von Hormus sowie die Auswirkungen des Iran-Krieges führten zu massiven Logistikproblemen bei asiatischen Chemieproduzenten. Evonik konnte diese Lücke füllen und von der eingeschränkten Konkurrenz profitieren. Konzernchef Kullmann bezeichnete diese Situation zwar als willkommenen „warmen Sommerregen“, betonte jedoch zugleich, dass die fundamentalen Probleme der Branche weiterhin Bestand haben.
An der Börse wurde die Anhebung der Ziele positiv aufgenommen. Die Aktie legte heute um 2,05 Prozent auf 17,91 Euro zu. Damit notiert das Papier nur noch knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch von 18,23 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Kursplus für die Anleger bereits auf 34,06 Prozent.
Effizienzprogramm und Analysteneinschätzungen
Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, treibt das Unternehmen seinen Umbau voran. Das laufende Effizienzprogramm sieht einen massiven Stellenabbau vor: Bis Ende 2026 sollen rund 2.800 Arbeitsplätze wegfallen, weitere 3.200 Streichungen sind für den Zeitraum bis 2029 geplant. Seit Beginn des laufenden Jahres haben bereits etwa 700 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.
Analysten betrachten die aktuelle Lage differenziert. Die Experten von JPMorgan belassen die Einstufung für Evonik auf „Underweight“. Sie verwiesen darauf, dass sich die Exporte des Tierfutterzusatzes Methionin von China nach Europa im Juni im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert haben. Zwar zeigten sich die Preise für Methionin im zweiten Quartal stabiler als bei anderen Chemikalien, doch die strukturellen Herausforderungen in der Branche bleiben laut JPMorgan ein Risikofaktor für die künftige Kursentwicklung.
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