Im Ringen um die künftige Eigenständigkeit setzt Evonik auf operative Kontinuität und eigene strategische Projekte. Während BASF die Fühler nach dem Spezialchemiekonzern ausstreckt, treibt das Essener Unternehmen wichtige Schritte im Portfolio voran.
An der Börse notiert das Papier zum Handelsschluss am Freitag bei 21,32 € und hält damit Tuchfühlung zum 52-Wochen-Hoch von 21,84 €. Ein erstes Übernahmeangebot aus Ludwigshafen über 22,15 Euro je Aktie hatte das Evonik-Management zuvor als zu niedrig zurückgewiesen.
Operative Initiativen und Portfolioumbau
Ungeachtet der Avancen des Konkurrenten arbeitet Evonik an der Weiterentwicklung seiner Geschäftsaktivitäten. Zusammen mit den Partnern Toyotsu Chemiplas und Sanyo Chemical startete das Unternehmen am 13. Oktober eine Initiative zur Polyurethan-Rezyklierung in Japan. Ziel des Gemeinschaftsprojekts ist die Rückgewinnung von Polyolen und Aminen aus gebrauchten Schaumstoffen sowie industriellen Produktionsabfällen.
Parallel dazu steht eine weitere Weichenstellung bei der Bereinigung des Konzernportfolios an. Medienberichten zufolge befindet sich Evonik mit mehreren Finanzinvestoren und strategischen Interessenten in der zweiten Runde für den Verkauf der C4-Sparte. Verbindliche Gebote für den Geschäftsbereich werden für November erwartet.
Bedingungen für ein Nachgebot
Auf der Gegenseite prüft BASF weiterhin die Optionen. Wie eine mit der Transaktion vertraute Person gegenüber dpa-AFX erklärte, hält sich der Ludwigshafener Konzern ein höheres Gebot für Evonik offen. Zur Voraussetzung dafür macht das Unternehmen allerdings einen vorherigen Einblick in die Bücher. Direkte Gespräche zwischen den beiden Seiten fanden zu diesem Zeitpunkt laut dem Bericht nicht statt.
Um Vorbehalte im Vorfeld abzubauen, zeigte sich BASF vor gut einer Woche laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters bereit, im Fall einer Übernahme Standort- und Beschäftigungsgarantien vertraglich zuzusichern. Dennoch regt sich breiter Widerstand gegen das Vorhaben.
Politischer Gegenwind und Debatte um Finanzen
Die nordrhein-westfälische Landesregierung stellte sich unmissverständlich gegen die Pläne. Mona Neubaur erklärte im Landtag, das Land sei gegen eine Übernahme von Evonik durch BASF und wolle sowohl die Arbeitsplätze als auch den Standort in Nordrhein-Westfalen sichern.
Die Gewerkschaft IG BCE wandte sich in einem Schreiben an die Betriebsräte beider Konzerne, forderte Klarheit über die Folgen für die Belegschaft und richtete entsprechende Fragen an den Großaktionär RAG-Stiftung.
Das Kuratorium der RAG-Stiftung ließ sich am 9. Oktober vom Vorstand über das BASF-Interesse informieren, gab danach aber kein Bekenntnis zu der Offerte ab. Zusätzliche Diskussionen lösten Aussagen von IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis zu angeblichen Finanzierungsproblemen aus. Evonik wies diese Vorwürfe laut Handelsblatt entschieden zurück und begründete die finanzielle Stabilität mit verbesserten Kreditratings.
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