Der Spezialchemiekonzern Evonik setzt bei der Neugestaltung seiner Unternehmensstrukturen auf ein tiefgreifendes Transformationsprogramm, während das Marktumfeld von Übernahmespekulationen geprägt bleibt.
Neben einer Bereinigung des Portfolios und Investitionen in ausgewählte Kernbereiche strukturiert das Management die Standorte um. Vor gut einer Woche hatten BASF-Sondierungsgespräche über eine Evonik-Übernahme für Bewegung an der Börse gesorgt, seither verzeichnete das Wertpapier ein Plus von 5,3 Prozent auf aktuell 20,86 Euro.
Sparprogramm und Trennung von Randgeschäften
Im Zentrum der geschärften Ausrichtung steht das Konzernprogramm „Evonik Tailor Made“. Dieses sieht für den Zeitraum von 2027 bis 2029 den weltweiten Abbau von 3.200 Arbeitsplätzen vor. Auf die Standorte in Deutschland entfallen dabei rund 2.150 Stellen.
Das Unternehmen schließt betriebsbedingte Kündigungen im Rahmen dieses Abbaus weiterhin aus. Zudem werden den großen deutschen Werken spezifische operative Aufgaben zugeteilt, während das Portfolio künftig nach festen Rollenprofilen gesteuert wird.
Flankiert wird dieser Schritt durch geplante Desinvestitionen: Evonik beabsichtigt, sich von den beiden Tochtergesellschaften Oxeno und Syneqt zu trennen. Interimschef Claus Rettig stellte für den Verkaufsprozess von Oxeno laut Medienberichten noch im laufenden Jahr Ergebnisse in Aussicht.
Für die Tochter Syneqt ist der Start des Veräußerungsverfahrens hingegen für das Jahr 2027 vorgesehen. Gleichzeitig prüft das Management weitere Vorhaben in Amerika sowie im asiatischen Raum.
Gezielte Investitionen und Aktionärsstruktur
Trotz des Sparprogramms investiert der Konzern in das Segment der Biotechnologie. Am Standort Slovenská Ľupča in der Slowakei begannen am 14. September die Bauarbeiten für eine Erweiterung der dortigen Anlagen. Das Investitionsvolumen beträgt rund 80 Millionen Euro. Mit der für Anfang 2028 geplanten Fertigstellung sollen an dem Standort etwa 50 neue Arbeitsplätze entstehen.
DZ-Bank-Analyst Peter Spengler passte am 28. September den fairen Wert für die Evonik-Aktie von 21 auf 22 Euro an und bekräftigte seine Kaufempfehlung. Spengler sah weiteres Potenzial durch die Fusionsfantasie, wies aber auf offene Punkte bezüglich der Finanzierung sowie möglicher Synergien hin.
Zuletzt erklärte die RAG-Stiftung als Großaktionärin gegenüber Reuters, dass ein vollständiger Verkauf der Evonik-Beteiligung satzungsgemäß möglich sei, sofern das Kuratorium zustimmt. Am 3. November steht mit der Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026 der nächste reguläre Finanztermin an.
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