Gestern schaltete sich die nordrhein-westfälische Landesregierung in die Debatte um die Zukunft des Spezialchemiekonzerns ein. Arbeitsplätze und die eigenständige Entwicklung von Evonik dürften durch eine mögliche Übernahme nicht infrage gestellt werden, erklärte das Land. Die politische Mahnung folgt auf Sondierungsgespräche mit BASF vor gut einer Woche.
Widerstand gegen Übernahmeofferte
Reuters berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, Evonik habe eine Offerte von BASF über 10,3 Milliarden Euro als zu niedrig abgewiesen. Dem Vernehmen nach bot der Ludwigshafener Konzern rund 22,15 Euro je Aktie. Evonik lehnte eine Stellungnahme zu dem Vorgang ab.
Für die Landespolitik steht neben dem Erhalt der Konzernzentrale vor allem die Sicherung der industriellen Basis im Vordergrund. Ein Zusammenschluss der beiden Chemiekonzerne würde beträchtliche Überschneidungen mit sich bringen. Dies könnte weiteren Druck auf die bestehenden Arbeitsplätze ausüben.
Stellenabbau und operative Neuausrichtung
Dabei befindet sich Evonik ohnehin mitten in einer tiefgreifenden Restrukturierung. Im Rahmen des Effizienzprogramms „Evonik Tailor Made“ plant das Unternehmen den weltweiten Abbau von 3.200 Stellen bis Ende 2029. Rund 2.150 dieser Stellenstreichungen entfallen auf Standorte in Deutschland.
Zugleich versucht das Management, das Kerngeschäft mit neuen Produkten zu stärken. So meldete Evonik die Entwicklung einer biologisch abbaubaren Polymerplattform für künftige pharmazeutische EUDRAGIT-Hilfsstoffe zur oralen Verabreichung. Das Konzept soll am 7. Oktober auf der Fachmesse CPHI in Mailand präsentiert werden.
Analysten heben den Daumen
Am Aktienmarkt sorgt das Zusammenspiel aus operativen Maßnahmen und Übernahmefantasie für Bewegung. Im vorbörslichen Handel steht die Evonik-Aktie bei 20,68 Euro. Trotz eines vorbörslichen Abschlags von 0,4 Prozent summiert sich das Plus seit Jahresanfang auf 55 Prozent.
Analysten passten ihre Modelle an die neue Lage an. Das Analysehaus Berenberg stufte die Aktie gestern von „Sell“ auf „Hold“ hoch und hob das Kursziel auf 20 Euro an. Analyst Sebastian Bray begründete den Schritt mit dem Übernahmeinteresse von BASF und der stützenden Wirkung der Gespräche. Weitere Klarheit über die operative Entwicklung erwartet der Markt am 3. November. Dann legt Evonik die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 vor.
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