Bei Evonik geht es in der Übernahmedebatte nicht allein um den Preis. Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur sprach sich am 14. Oktober gegen eine Übernahme durch BASF aus. Für Anleger rücken damit neben möglichen Angebotskonditionen auch Beschäftigung und Standortinteressen in den Blick. Die politische Ablehnung ist allerdings nicht mit einer Entscheidung über das mögliche Geschäft gleichzusetzen.
Standortzusagen treffen auf politische Ablehnung
Wie das Handelsblatt berichtete, lehnte der Landtag zugleich einen SPD-Antrag ab, eine Landesbeteiligung an Evonik zu prüfen. Die Ablehnung einer Übernahme und der Verzicht auf die Prüfung eines staatlichen Einstiegs sind dabei unterschiedliche politische Aussagen. Aus dem Widerstand gegen BASF folgt somit keine Unterstützung für eine Landesbeteiligung.
Bereits am 12. Oktober hatten Medien über mögliche Zugeständnisse von BASF berichtet. Zwei dem Unternehmen nahestehenden Personen zufolge wäre BASF bei einer Übernahme bereit, Beschäftigungsgarantien bis 2032 einzuhalten und den deutschen Standort zu sichern. BASF lehnte eine Stellungnahme ab.
Für die Einordnung ist diese Einschränkung wesentlich: Die berichtete Bereitschaft ist keine bestätigte Vereinbarung. Standortzusagen könnten politische Bedenken adressieren. Sie ersetzen aber weder eine Einigung über den Kaufpreis noch eine verbindliche Übernahmevereinbarung.
In der vergangenen Woche berichtete dpa-AFX unter Berufung auf Kreise außerdem über die Bereitschaft von BASF, ein höheres Gebot zu prüfen. Voraussetzung sei zunächst die Einsicht in Evoniks Bücher. Das erste Angebot von 22,15 Euro je Aktie hatte Evonik abgelehnt. Damit bleibt die mögliche Nachbesserung an eine Bedingung geknüpft.
Operative Projekte als eigener Bewertungsmaßstab
Neben der Übernahmefrage liefert Evonik operative Nachrichten. Am Montag führte das Unternehmen Lypron ein, eine pansenstabile Lysinlösung für die gezielte Aminosäureversorgung von Wiederkäuern. Der französische Spezialist Sipena soll das Produkt exklusiv für Evonik herstellen.
Hinzu kommt die am 13. Oktober gestartete Recyclinginitiative mit Toyotsu Chemiplas und Sanyo Chemical in Japan. Die Partner wollen aus Polyurethanschaum Polyole und Amine für neue Polyurethanprodukte zurückgewinnen.
Beide Vorhaben setzen einen anderen Akzent als die Übernahmespekulation: Produktentwicklung und Kooperationen stehen für die operative Perspektive von Evonik. Für Anleger sind deshalb zwei Ebenen auseinanderzuhalten.
Die Projekte betreffen die Geschäftsentwicklung; die Übernahmefrage hängt zusätzlich von Preis, Bedingungen und der Verständigung der Beteiligten ab. Politischer Widerstand ist dabei ein relevanter Faktor, aber noch kein abschließendes Urteil über den Ausgang.
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