Das Ringen um die Zukunft des Spezialchemiekonzerns Evonik spitzt sich zu einer Grundsatzfrage über Standortpolitik und Aktionärsinteressen zu. Nachdem vor gut einer Woche Sondierungsgespräche von BASF bekannt geworden waren, formiert sich spürbarer Widerstand gegen ein mögliches Zusammengehen beider Chemiekonzerne. Vor allem die Politik dringt auf eine eigenständige Zukunft des Essener Unternehmens.
Widerstand aus Düsseldorf gegen Pläne aus Ludwigshafen
Am Montag stellte sich die nordrhein-westfälische Landesregierung unmissverständlich hinter die Unabhängigkeit von Evonik. Die Landespolitik mahnte an, dass weder bestehende Arbeitsplätze noch die eigenständige Entwicklung des Konzerns durch externe Vorstöße gefährdet werden dürften. Diese politische Flankierung folgt auf Berichte von Reuters vom 28. September, wonach das Management von Evonik eine BASF-Offerte im Gesamtvolumen von 10,3 Milliarden Euro – umgerechnet rund 22,15 Euro je Aktie – als unzureichend zurückgewiesen habe. Öffentlich bestätigte bislang keines der beiden Unternehmen die genannte Summe oder eine formelle Ablehnung.
Eine Schlüsselstellung in dem Übernahmeszenario nimmt die Essener RAG-Stiftung ein. Als Großaktionärin stellte sie am 30. September klar, dass ihre Satzung einen Verkauf der gesamten Beteiligung an Evonik prinzipiell gestattet, sofern das Kuratorium zustimmt. Die Stiftung betonte zugleich, dass damit weder ein Beschluss über eine Veräußerung gefasst noch einer Transaktion mit BASF zugestimmt worden sei.
Analysten reagieren auf das Übernahmeinteresse
Die Gemengelage hinterlässt auch am Kapitalmarkt Spuren. Am Montag stufte die Privatbank Berenberg die Evonik-Aktie von „Sell“ auf „Hold“ herauf. Analyst Sebastian Bray begründete den Schritt direkt mit dem Übernahmeinteresse von BASF und hob das Kursziel von 15,50 auf 20 Euro an.
Im heutigen Handel notiert der Titel bei 20,90 Euro, was einem Zuwachs von 1,5 Prozent entspricht. Damit liegt das Papier nur knapp unter dem Tagesrekord, denn das 52-Wochen-Hoch markierte Evonik bei 21,00 Euro.
Fundamentale Klarheit erwarten Marktteilnehmer zur nächsten Berichterstattung: Am 3. November wird Evonik nach Angaben von Deutsche Bank Research die Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 vorlegen. Bis dahin bleibt das Zusammenspiel zwischen Großaktionär, Landespolitik und den Vorständen beider Konzerne der dominierende Taktgeber für die Bewertung.
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