Der Widerstand gegen eine mögliche Übernahme des Spezialchemiekonzerns formiert sich auf Arbeitnehmerseite. In einem Schreiben an die Betriebsräte von Evonik und BASF hinterfragten IG-BCE-Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis und Vorstandsmitglied Alexander Bercht am Donnerstag einen vollständigen Verkauf von Evonik an den Ludwigshafener Konzern. Zudem forderten die Gewerkschafter Antworten von der RAG-Stiftung zum weiteren Vorgehen.
Gegenwind für die Fusionspläne
Die Skepsis der Gewerkschaft trifft auf ein ohnehin sensibles Umfeld. BASF sondiert eine Evonik-Übernahme vor rund zwei Wochen. Laut einem Bericht des Handelsblatts ließ sich das Kuratorium der RAG-Stiftung zwar über das Übernahmeinteresse informieren, legte sich jedoch nicht fest und verwies die beteiligten Unternehmen auf bilaterale Gespräche.
Gleichzeitig bleibt BASF laut Insidern gesprächsbereit. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag unter Berufung auf zwei BASF-nahe Quellen meldete, könnte der Konzern eine Nachbesserung erwägen, sollten formelle Gespräche zwischen den Parteien zustande kommen. Evonik hatte eine vorherige Offerte über 22,15 Euro je Aktie als unzureichend abgelehnt.
Marktreaktion und Analystenblick
Die Spekulationen um den Einstieg halten die Notierung auf einem hohen Niveau. Mit einem Schlusskurs von 21,42 Euro beendete das Papier den Handel am Freitag nur 0,9 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 21,62 Euro.
Auch am Kapitalmarkt führt das Interesse zu veränderten Bewertungen. Sebastian Bray, Analyst bei Berenberg, stufte Evonik am 5. Oktober von „Sell“ auf „Hold“ hoch und hob das Kursziel von 15,50 auf 20 Euro an. Bray begründete den Schritt mit dem Übernahmeinteresse von BASF.
Nach seiner Einschätzung könnten die Fusionsdiskussionen selbst bei sinkenden Methionin-Preisen eine Untergrenze für die Notierung bilden. Das Analysehaus Parmantier & Cie. bestätigte am 6. Oktober das Votum „Halten“ mit einem Kursziel von 20,50 Euro.
Blick auf die Quartalszahlen
Neben den Übernahmegesprächen rückt für Anleger das operative Geschäft wieder in den Fokus. Evonik plant die Veröffentlichung des Zwischenberichts zum dritten Quartal 2026 für den 3. November 2026. Die Kennzahlen dürften Aufschluss darüber geben, wie sich die Nachfrage in den Kernbereichen des Unternehmens zuletzt entwickelt hat.
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