Evonik wehrt sich energisch gegen Zweifel an der Solidität seiner Bilanzen. Gestern wies der Essener Spezialchemiekonzern Darstellungen zurück, wonach das Unternehmen mit problematischen Finanzierungsthemen ausgestattet sei. Diese Behauptung hatte Michael Vassiliadis aufgestellt. Evonik dementierte die Äußerung laut einem Bericht des Handelsblatts umgehend und verwies zur Entkräftung auf seine jüngst verbesserten Kreditratings.
Zurückweisung der Übernahmephantasien
Die Debatte um die finanzielle Aufstellung fällt in eine Phase anhaltender Spekulationen über die Unabhängigkeit des Konzerns. BASF hatte vor gut drei Wochen einen ersten Vorstoß unternommen und 22,15 Euro je Aktie geboten.
Die Unternehmensführung von Evonik wies diesen Betrag jedoch umgehend als zu niedrig zurück. Zwar hieß es aus Kreisen der Nachrichtenagentur dpa-AFX, BASF sei nach einem Einblick in die Bücher zu Gesprächen über eine Nachbesserung bereit, doch Evonik stellte klar, dass derzeit keine Verhandlungen stattfinden.
Die Personalie beschäftigte in dieser Woche auch die Landespolitik. Im Landtag von Nordrhein-Westfalen erklärte der CDU-Politiker Björn Franken am Mittwoch, dass dem Konzern bislang kein verbindliches Angebot vorliege und der Vorstand die Avancen klar ablehne. Zudem hatte sich bereits das Kuratorium der RAG-Stiftung über das Interesse aus Ludwigshafen informieren lassen, ohne dazu Beschlüsse zu fassen.
Fortschritte beim Konzernumbau
Abseits der Auseinandersetzung um die Eigentümerstruktur treibt Evonik den Umbau seines Portfolios voran. Der Verkauf der C4-Sparte Oxeno erreicht die entscheidende Phase: Mehrere Finanzinvestoren und strategische Bieter sind in die zweite Runde des Prozesses eingezogen.
Die finalen Angebote für das Geschäftsfeld werden für November erwartet. Auf operativer Ebene setzt der Konzern zudem Akzente im Recyclingbereich, unter anderem durch eine Partnerschaft in Japan mit Toyotsu Chemiplas und Sanyo Chemical zur Aufbereitung von Polyurethanschaum.
Am Aktienmarkt spiegeln sich die Gemengelage aus Übernahmegerüchten und Portfoliomaßnahmen in einem deutlichen Aufwärtstrend wider. Nach einem Schlusskurs von 21,32 Euro am Freitag verzeichnet das Papier seit Jahresanfang ein Kursplus von 60 Prozent. Damit bewegt sich der Titel weiterhin in Reichweite seines 52-Wochen-Hochs von 21,84 Euro.
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