Die Übernahmespekulationen um den Spezialchemiekonzern Evonik haben an den Finanzmärkten eine Phase der Unsicherheit eingeläutet. Nachdem die Essener eine erste informelle Offerte von BASF über 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig ablehnten, steht der Konzern vor einer vielschichtigen Lage.
Zwar hält sich der Ludwigshafener Wettbewerber Medienberichten zufolge ein höheres Gebot grundsätzlich offen, fordert dafür jedoch zunächst Einblick in Evoniks Bücher. Da direkte Gespräche zwischen den beiden Chemiekonzernen bisher nicht stattfinden, richtet sich der Blick der Marktteilnehmer auf Eigentümer, Politik und das operative Geschäft.
Politischer Gegenwind und unentschiedene Großaktionäre
Auf politischer Ebene zeichnet sich deutliche Skepsis gegen eine mögliche Übernahme ab. Laut Handelsblatt sprach sich Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur im Düsseldorfer Landtag gegen ein Zusammengehen der beiden Unternehmen aus.
Die Sorge um den Verlust von industriellen Kernkompetenzen und Standorten wiegt schwer. Daran änderten auch Zusagen aus Ludwigshafen wenig. Laut Reuters soll BASF gegenüber informierten Kreisen erklärt haben, bei einer Übernahme bestehende Beschäftigungs- und Standortgarantien in Deutschland einzuhalten.
Neben der Landespolitik kommt der RAG-Stiftung eine Schlüsselrolle bei jeder weiteren Entwicklung zu. Der Vorstand der Stiftung ließ das Kuratorium über das Übernahmeinteresse von BASF informieren. Eine Festlegung zugunsten oder gegen die Offerte erfolgte dabei nicht, womit der Ankeraktionär seine Haltung vorerst offenlässt.
Kursniveau spiegelt die veränderte Ausgangslage
Am Kapitalmarkt hat das Buhlen um Evonik bereits deutliche Spuren hinterlassen. Bei einem Kurs von 21,26 Euro notiert das Papier nur rund 2,7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Diese Bewertung signalisiert, dass die Börse das Scheitern des ersten Vorstoßes keineswegs mit einem endgültigen Abbruch der Avancen gleichsetzt.
Gleichzeitig schrumpft durch den Kursanstieg der Spielraum für ein nachgebessertes Angebot, falls BASF seine Vorbehalte hinsichtlich der Rentabilität aufrechterhält. Ohne tiefere Einblicke in die Bücher des Essener Spezialchemieherstellers zeichnet sich bei den Ludwigshafenern keine Bereitschaft ab, die finanzielle Offerte ohne weitere Prüfungen aufzustocken.
Fortführung der operativen Vorhaben
Abseits des Übernahmegeschehens treibt das Evonik-Management die Weiterentwicklung des eigenen Projektportfolios voran. Vor gut einer Woche starteten Evonik, Toyotsu Chemiplas und Sanyo Chemical eine gemeinsame Initiative zur Entwicklung eines Polyurethan-Recyclingmodells in Japan. Das Projekt zielt darauf ab, spezialisierte Kreislaufansätze im asiatischen Markt zu etablieren.
Solche industriellen Vorhaben unterstreichen das Bestreben des Vorstands, die strategische Weiterentwicklung aus eigener Kraft voranzutreiben. Ob Evonik diesen eigenständigen Weg auf Dauer fortsetzen kann, hängt jedoch maßgeblich davon ab, wie sich BASF und die RAG-Stiftung in den kommenden Wochen verhalten.
Evonik-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Evonik-Analyse vom 19. Oktober liefert die Antwort:
Die neusten Evonik-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Evonik-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 19. Oktober erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
