Evonik will seine Eigenständigkeit bewahren und hält zugleich mehrere strategische Optionen offen. Am Freitag lehnte der Vorstand Verhandlungen über das verbesserte Übernahmeangebot von BASF ab. Ein vertraulicher Informationsaustausch bleibt möglich. Für Anleger rückt damit neben der Offerte die Frage in den Mittelpunkt, welche Schritte Evonik auf eigene Rechnung verfolgen könnte.
Absage ohne vollständigen Gesprächsabbruch
Nach Unternehmensangaben will der Vorstand Evonik eigenständig weiterentwickeln. Seine Bereitschaft zu einem rein informativen Austausch bedeutet allerdings keine Zustimmung zu formellen Übernahmeverhandlungen. Diese Unterscheidung ist entscheidend: Die Tür für einen Kontakt bleibt offen, während der Vorstand Gespräche über das Angebot ausdrücklich ablehnt.
BASF hatte 24,00 Euro je Evonik-Aktie geboten. Reuters zufolge reagierte der Konzern mit Unverständnis auf die Absage und bezeichnete seine Offerte als attraktiv. Die beiden Unternehmen vertreten damit unterschiedliche Positionen zum Angebot.
Einen zusätzlichen Preisvorbehalt hatte BASF-Vorstandschef Markus Kamieth bereits am Mittwoch formuliert. Laut Reuters werde BASF „keine überhöhten Preise zahlen“. Daraus lässt sich keine weitere Erhöhung der Offerte ableiten. Für Evonik-Aktionäre ist ein höheres Gebot deshalb keine gesicherte Grundlage für die Bewertung.
Zukaufprüfung und geplanter Verkauf
Evoniks eigenständiger Kurs umfasst möglicherweise auch einen größeren Zukauf. Reuters berichtete am 22. Oktober unter Berufung auf zwei Insider, das Unternehmen prüfe eine Übernahme des US-Chemiekonzerns Ashland. Der Prüfprozess habe bereits vor BASFs Vorstoß begonnen. Evonik und Ashland äußerten sich dem Bericht zufolge zunächst nicht.
Damit steht neben der bestätigten Haltung des Vorstands eine unbestätigte strategische Möglichkeit. Eine Prüfung ist weder eine vereinbarte Transaktion noch eine Zusage zum Kauf. Sie zeigt aber, welche zusätzliche Entscheidung für Anleger relevant werden könnte.
Auf der Verkaufsseite steht die Tochter Syneqt. Evonik plant deren Veräußerung. Syneqt erklärte am Dienstag gegenüber Reuters, auch bei einer Übernahme Evoniks durch BASF eigenständig bleiben zu wollen. Die rund 3.500 Arbeitsplätze in Marl und Wesseling seien nicht in Gefahr.
Für die Anlageentscheidung sind diese Vorgänge auseinanderzuhalten: Evoniks Absage an formelle Verhandlungen ist bestätigt. Der Verkauf von Syneqt ist geplant, die Prüfung eines Ashland-Kaufs dagegen ein Insiderbericht. Der eigenständige Weg des Konzerns besteht damit nicht nur aus der Abwehr einer Offerte. Er umfasst zugleich mögliche Veränderungen, deren Umsetzung noch nicht feststeht.
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