Evonik Aktie: 26 Prozent Plus seit Jahresanfang

Evonik-Chef Kullmann verlangt Kohleausstieg erst nach 2030 und warnt vor Gefahren für die Chemieindustrie durch aktuelle Klimaziele.

Auf einen Blick:
  • Kohleausstieg soll auf 2033 verschoben werden
  • Kullmann kritisiert Berliner und Brüsseler Politik
  • Evonik streicht weltweit 3.200 Stellen
  • Aktie legt seit Jahresbeginn um 26 Prozent zu

Christian Kullmann bricht ein Tabu der deutschen Energiepolitik. Der Evonik-Chef fordert offen, den Kohleausstieg über das Jahr 2030 hinaus zu verschieben. Seiner Ansicht nach gefährden die aktuellen Klimaziele das Überleben der heimischen Chemieindustrie.

Kullmann sieht die nationale Energieversorgung gefährdet. Er verweist auf fehlende Gaskraftwerke und eine lückenhafte Netzinfrastruktur. Bezahlbarer Wasserstoff sei zudem in absehbarer Zeit nicht verfügbar. Deshalb müsse die Industrie die Kohle mindestens bis 2033 nutzen. Er plädiert ferner für eine Verschiebung der deutschen Klimaneutralität auf das Jahr 2050.

Überlebenskampf der Chemiebranche

Die Forderungen fallen in eine Phase des radikalen Umbaus bei Evonik. Der Konzern trennt sich derzeit von seinen Chemieparks. Diese sind nun in der Einheit Syneqt gebündelt. Parallel dazu streicht das Management weltweit 3.200 Stellen. Allein in Deutschland betrifft dieser Abbau bis Ende 2029 rund 2.150 Arbeitsplätze.

Kullmann kritisiert die aktuelle Ausrichtung der Politik in Berlin und Brüssel scharf. Er fordert eine Umsteuerung hin zu mehr Wachstum. Der Zeitpunkt der deutschen Klimaneutralität sei für das Weltklima unerheblich. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Chemie sei er jedoch entscheidend. Eine Verschärfung des Emissionshandels würde die Branche im internationalen Vergleich weiter benachteiligen.

Kursplus trotz politischer Sorgen

An der Börse kam die strategische Straffung zuletzt gut an. Seit Jahresanfang legte die Aktie um rund 26 Prozent zu. Das Papier notiert aktuell bei 16,91 Euro. Im Juni hob der Vorstand zudem den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr an. Eine starke Entwicklung im zweiten Quartal stützte diese Entscheidung.

Kullmanns Vorstoß dürfte die politische Debatte in den kommenden Wochen verschärfen. Für den Spezialchemiekonzern bleibt die Energiefrage existenziell. Investoren achten nun darauf, ob die Politik auf die Warnrufe aus Essen reagiert. Bezahlbare Energie und stabile Rahmenbedingungen bleiben die wichtigsten Faktoren für den langfristigen Erfolg.

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