Die Aktie von European Lithium liegt seit dem 18. Mai auf Eis. Der australische Börsenregulator ASX untersucht, ob das Unternehmen seine Offenlegungspflichten verletzt hat — und verlängerte die Handelssuspendierung über den ursprünglich geplanten 20. Mai hinaus.
Der Vorwurf: Medien berichteten über die geplante Fusion, bevor das Unternehmen den Markt formell informierte. European Lithium hält dagegen, die Gespräche seien erst Ende April mit Unterzeichnung eines unverbindlichen Absichtsbriefs wesentlich geworden. Die ASX sieht das offenbar anders.
Fusion mit Interessenkonflikt
Am 18. Mai unterzeichnete European Lithium einen bindenden Fusionsvertrag mit dem Nasdaq-notierten Unternehmen Critical Metals Corp. Der implizierte Angebotspreis liegt bei 0,58 australischen Dollar je Aktie. Zuletzt notierte die Aktie auf europäischen Handelsplätzen zwischen 0,445 und 0,465 australischen Dollar — ein Abschlag von rund 20 Prozent zum Dealwert.
Ein strukturelles Problem belastet die Transaktion zusätzlich: Tony Sage ist gleichzeitig Vorstandsvorsitzender von European Lithium und CEO von Critical Metals. Um den Interessenkonflikt zu managen, bildete European Lithium ein unabhängiges Komitee. Es empfiehlt Aktionären, das Angebot anzunehmen — sofern kein besseres Angebot eingeht und ein unabhängiger Gutachter die Transaktion als fair bewertet.
Greenland-Permit blockiert Probenahme
Parallel läuft in Grönland die Zeit davon. Die Pilotanlage im Tanbreez-Projekt bei Qaqortoq steht bereit, doch die lokalen Behörden haben noch keine Betriebsgenehmigung erteilt. Ohne sie kann die geplante Entnahme einer 150-Tonnen-Probe im Juni nicht stattfinden. Die Probe enthält Terbium und Dysprosium — zwei Seltene Erden, die für Elektromotoren und Verteidigungssysteme unverzichtbar sind.
Chinas Exportbeschränkungen auf diese Materialien sind nur bis November 2026 ausgesetzt. Das Zeitfenster für alternative Lieferketten ist eng. Grönlands Regulatoren zeigen bislang keine Eile.
Finanzbedingung erfüllt, Portfolio angepasst
Eine gute Nachricht gibt es: European Lithium hat die finanzielle Mindestbedingung für den Zusammenschluss bereits erfüllt. Der Verkauf von 2,5 Millionen Critical-Metals-Aktien brachte rund 45 Millionen australische Dollar ein. Der Kassenbestand liegt nun bei etwa 356 Millionen australischen Dollar — deutlich über dem geforderten Minimum von 330 Millionen Dollar zum Abschlussdatum.
Außerdem beteiligte sich das Unternehmen an einer Kapitalerhöhung von Helix Resources. Das australische Unternehmen platzierte am 25. Mai 534,6 Millionen Aktien im Rahmen einer Gesamtemission von 1,34 Milliarden Aktien. Die Erlöse fließen in das Weerianna-Gold-Lithium-Projekt in Westaustralien. European Lithium gewinnt damit Rohstoffexposure, ohne ein eigenes Projekt operativ führen zu müssen. Die Beteiligung lässt sich bei Bedarf verkaufen, um den Kassenbestand über der Schwelle zu halten.
Den Anteil an CuFe Limited reduzierte das Unternehmen leicht — von 17,85 auf 16,73 Prozent der Stimmrechte.
Zeitplan verschiebt sich in den Herbst
Der Fusionsfahrplan sieht den Versand der Aktionärsunterlagen für Juli oder August vor. Hauptversammlungen sollen im August oder September folgen, danach stehen Gerichts- und Behördengenehmigungen aus. Ein Abschluss noch im ersten Halbjahr 2026 ist unrealistisch.
Die Fusion läuft als australisches Scheme of Arrangement. Dafür braucht es eine Mehrheit der abstimmenden Aktionäre nach Köpfen und mindestens 75 Prozent der abgegebenen Stimmrechtswerte. Solange die ASX die Handelssuspendierung nicht aufhebt und Grönland die Betriebsgenehmigung nicht erteilt, bleibt der Kursabschlag von 20 Prozent das deutlichste Signal dafür, wie viel Skepsis der Markt in diesen Deal einpreist.
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