Ethereum: Neue Regeln fürs Staking

Ethereum-Staking-Quote steigt auf 34 Prozent, während Vorschlag EIP-8361 Renditen senken könnte. Fidelity beantragt Staking für seinen Spot-ETF, Bitmine reduziert Käufe.

Auf einen Blick:
  • Staking-Anteil erreicht 34 Prozent
  • EIP-8361: Emissionsmodell mit Verbrennung
  • Fidelity öffnet ETF für Staking
  • Bitmine verlangsamt ETH-Käufe deutlich

Ethereum steckt in einem Spannungsfeld zwischen technischer Weichenstellung und institutioneller Zurückhaltung. Während Regulierer über die Zukunft von Staking-Erträgen entscheiden, bremst der größte Unternehmenskäufer der Welt überraschend sein Kauftempo. Der Kurs bleibt derweil in einer engen Spanne gefangen.

Ein Drittel des Angebots ist inzwischen gestakt

Der Anteil des gestakten ETH-Angebots ist auf 34 Prozent geklettert, zu Jahresbeginn lag er noch bei rund 29 Prozent. Diese Entwicklung hat Forscher der Ethereum Foundation auf den Plan gerufen: Anfang August reichten sie den Vorschlag EIP-8361 ein, ein sogenanntes „tapered issuance burn“-Modell. Es verbrennt einen wachsenden Anteil der Validator-Belohnungen, je höher die Staking-Quote steigt, bis bei der Hälfte des aktuellen Angebots die Netto-Emission für Validatoren komplett auf null fällt.

Beim aktuellen Staking-Niveau würde die jährliche Rendite den eigenen Modellrechnungen zufolge von etwa 2,6 auf 1,2 Prozent sinken, verteilt über 18 Monate. Die Autoren argumentieren, das heutige System locke vor allem zentrale Anbieter wie Börsen und Verwahrstellen an, während Solo-Validatoren und Nicht-Staker verwässert werden. Besonders betroffen wären ETH-Treasury-Firmen wie Bitmine und Sharplink, deren Geschäftsmodell stark auf dem nativen Staking-Ertrag beruht. Sollte sich die Rendite halbieren, könnte die Prämie schrumpfen, die Anleger bislang für solche Treasury-Vehikel gegenüber direkt gestaktem ETH zahlen.

Fidelity will ETFs mit Staking-Erträgen ausstatten

Parallel zur Debatte um die Emissionsregeln bewegt sich auch die Produktseite. Fidelity hat bei der US-Börsenaufsicht SEC eine Änderung seiner Registrierung eingereicht, um seinen Spot-Ethereum-ETF FETH für Staking zu öffnen. Der Fonds soll künftig nicht mehr nur die Preisentwicklung abbilden, sondern über Verwahrstellen wie Anchorage Digital und BitGo Validator-Erträge erwirtschaften und diese in Form von vierteljährlichen Ausschüttungen an Anleger weiterreichen.

Fidelity ist damit nicht allein: Grayscale zahlt als erster US-Emittent bereits Staking-Erträge aus, und die SEC hat auch BlackRocks entsprechenden Antrag für den ETHA-Fonds zur Kenntnis genommen. Als die ersten Spot-Ethereum-ETFs 2024 an den Start gingen, war Staking noch ausdrücklich ausgeschlossen — ein Nachteil gegenüber direktem ETH-Besitz, den die Anbieter nun zu beheben versuchen. Garantiert sind die Ausschüttungen laut Fidelity-Unterlagen allerdings nicht, das Unternehmen kann sie jederzeit aussetzen.

Bitmine tritt auf die Bremse

Auf der Nachfrageseite zeigt sich derweil ein anderes Bild. Bitmine, mit rund 4,8 Prozent des ETH-Gesamtangebots der größte Unternehmenshalter, kaufte in der vergangenen Woche lediglich 7.391 ETH im Wert von etwa 14,2 Millionen Dollar — die kleinste Wochenmenge des laufenden Jahres. Der Bestand steigt damit zwar auf 5,8 Millionen Token, das Tempo hat sich jedoch spürbar verlangsamt. Statt weiter aufzustocken, kaufte das Unternehmen im gleichen Zeitraum rund drei Millionen eigene Aktien zurück.

Der Kurs selbst bewegt sich seit Wochen zwischen der Unterstützung um 1.850 Dollar und dem Widerstand nahe 1.950 Dollar, ohne den 100-Tage-Durchschnitt bei rund 1.924 Dollar nachhaltig zu überwinden. US-Spot-ETFs verzeichneten zuletzt fünf Wochen in Folge Nettozuflüsse, dennoch reicht das Kapital bei einer Marktkapitalisierung von über 220 Milliarden Dollar kaum, um größere Kursbewegungen auszulösen. Zusätzlichen Gegenwind lieferte der US-Senat, der das CLARITY-Gesetz zur Krypto-Regulierung vor der Sommerpause nicht mehr zur Abstimmung brachte — die Kammer befasst sich frühestens am 14. September wieder damit.

Die kommenden Monate dürften zeigen, ob die Emissionsreform tatsächlich umgesetzt wird und wie die SEC über Fidelitys Staking-Antrag entscheidet. Beide Entwicklungen könnten die Wirtschaftlichkeit von ETH-Treasury-Modellen und ETF-Produkten grundlegend neu ordnen.

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