Institutionelles Kapital strömt so kräftig wie seit Monaten nicht mehr in Ethereum-Produkte zurück. Der Kurs selbst tut sich dagegen schwer, seine enge Handelsspanne zu verlassen. Dieser Widerspruch zwischen Fondsflüssen und Chartbild prägt den Markt, während die US-Notenbank über die Zinsen entscheidet.
ETF-Welle bricht die Abflussserie
Zwischen dem 13. und 17. Juli sammelten die US-Spot-ETFs für Ether netto 105 Millionen Dollar ein — der stärkste Wochenwert seit April und das Ende einer achtwöchigen Abflussserie. In der Woche bis zum 28. Juli kamen umgerechnet rund 71 Millionen Dollar hinzu, während aus den Bitcoin-Fonds im gleichen Zeitraum etwa 200 Millionen Dollar abflossen.
Frischen Schub brachte der Start des Morgan Stanley Ethereum Trust an der NYSE Arca am 28. Juli. Der Fonds handelt unter dem Kürzel MSSE und unterbietet mit einer Kostenquote von 0,14 Prozent jedes vergleichbare Produkt im Markt.
Am ersten Handelstag flossen ihm 5,15 Millionen Dollar zu bei einem Volumen von 19,03 Millionen Dollar. Damit ist die Zahl der US-Spot-Produkte auf elf gestiegen, deren kumulierte Nettozuflüsse zusammen 11,21 Milliarden Dollar erreichen. Auch abseits der Fonds zeigt sich Interesse: Die BitMine-Aktie legte diese Woche um 13 Prozent zu, SharpLink Gaming stockte seine ETH-Bestände weiter auf.
Kurs hängt zwischen zwei Marken fest
Trotz der Zuflüsse bewegt sich Ether nur zäh. Der Kurs notiert bei rund 1.914 Dollar, ein Plus von 1,7 Prozent binnen eines Tages, bei einer Marktkapitalisierung von etwa 233 Milliarden Dollar.
Zwischen 1.868 und 1.972 Dollar bewegte sich der Kurs zuletzt. Die Widerstandszone um 1.950 Dollar hat bislang jeden Ausbruchsversuch gestoppt, während Unterstützung um 1.800 Dollar den Boden hält.
Damit bleibt Ether weit von seinem Rekordhoch bei 4.946 Dollar entfernt — aktuell liegt der Kurs rund 61 Prozent darunter. Auch der 200-Tage-Durchschnitt bei 2.217 Dollar liegt noch außer Reichweite.
Am Mittwoch entschied die US-Notenbank unter Kevin Warsh über die Zinsen. Ökonomen hatten im Vorfeld die fünfte Pause in Folge bei einem Zielkorridor von 3,50 bis 3,75 Prozent erwartet — ein Szenario, das dem Kurs bislang keinen klaren Impuls gegeben hat.
Ein weiterer Dämpfer kommt aus der Infrastruktur selbst: Das in Layer-2-Netzwerken gebundene Kapital ist auf rund 5 Milliarden Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit zwei Jahren.
Glamsterdam verschiebt sich
Auf der Agenda steht außerdem das größte Netzwerk-Update seit dem Merge. Glamsterdam soll das Gaslimit auf 200 Millionen anheben und den Durchsatz spürbar steigern, der Starttermin ist inzwischen aber auf September oder Oktober gerutscht. Ob dieser Zeitplan hält, dürfte mitentscheiden, wie sich die Netzwerkauslastung — und mit ihr das Kapital in den Layer-2-Lösungen — in der zweiten Jahreshälfte entwickelt.
Kurzfristig bleibt der Ausblick an die bekannten Marken geknüpft: Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben würde den Weg Richtung 2.000 Dollar öffnen, ein Rückfall unter die Unterstützungszone den nächsten Test tieferer Marken erzwingen. Bis dahin bestimmt das Tauziehen zwischen institutionellen Zuflüssen und einem trägen Chart das Bild.
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