Große Adressen kaufen wie selten zuvor, doch der Ether-Kurs bewegt sich kaum. Seit Mitte 2025 haben Wallets mit mehr als 100.000 ETH rund 1,8 Millionen Coins eingesammelt — und trotzdem klebt der Kurs seit Wochen unter der Marke von 2.000 Dollar. Diese Lücke zwischen sichtbarer Nachfrage und träger Kursreaktion prägt aktuell die Debatte um Ethereum.
Wale kaufen, der Chart bleibt stur
Ether notiert derzeit bei rund 1.915 Dollar, die Marktbewertung liegt bei etwa 233 Milliarden Dollar. Charttechnisch zählen drei Linien: der 20-Tage-Durchschnitt bei 1.875 Dollar, der 50-Tage-Durchschnitt bei 1.854 Dollar und vor allem der 100-Tage-Durchschnitt bei 1.924 Dollar — die letzte Hürde vor der psychologisch wichtigen 2.000-Dollar-Marke. Innerhalb weniger Stunden griffen zuletzt zwei Großadressen zu und sammelten zusammen 80.000 ETH im Wert von rund 152 Millionen Dollar ein, eine davon mit Verbindung zu Fidelity.
Auch die Fondsseite zieht mit. Die amerikanischen Spot-ETFs verbuchten die fünfte Woche in Folge Zuflüsse und damit die stärkste Woche seit April — rund 244,9 Millionen Dollar in fünf Handelstagen, allein am stärksten Einzeltag knapp 92 Millionen Dollar. Der Rückstand der Fonds auf ihr eingezahltes Kapital ist seit Mitte Juni von rund 2 Milliarden auf 711 Millionen Dollar geschmolzen.
Auch die mittlere Anlegerschicht baut auf. Adressen mit 10.000 bis 100.000 ETH halten inzwischen 19,6 Millionen ETH — so viel wie nie zuvor, gegenüber rund 14 Millionen Mitte 2025. Kleinere Wallets geben im gleichen Zeitraum tendenziell ab, während sich die Basis in den mittleren und großen Händen konzentriert.
Glamsterdam und der Streit um die Staking-Rendite
Parallel zur Kursflaute rückt das nächste große Netzwerk-Update näher. Glamsterdam soll Ende August aktiviert werden und gilt als größtes Upgrade seit dem Merge. Es soll die Gebühren auf der Hauptkette um rund 78,6 Prozent senken, bringt mit EIP-7732 die Trennung von Blockvorschlag und -bau und erhöht das Gaslimit von 60 auf 200 Millionen.
Weniger Einigkeit herrscht bei der Geldpolitik des Netzwerks. Sechs Forscher, darunter Justin Drake von der Ethereum Foundation, haben Anfang August einen Entwurf namens EIP-8361 vorgelegt, der die Validator-Belohnungen schrittweise auf null senken würde, sobald 60,25 Millionen ETH gestakt sind. Aktuell sind rund 33 Prozent des Angebots gestakt und werfen etwa 2,6 Prozent Rendite ab — eine sofortige Umsetzung würde diesen Wert auf 1,2 Prozent drücken, weshalb eine Einführung über 18 Monate vorgeschlagen wird. Aave-Gründer Stani Kulechov und ether.fi-Chef Mike Silagadze haben sich öffentlich gegen den Vorschlag positioniert.
Der Entwurf kam kurz vor der Frist für das kommende Hegotá-Upgrade und dürfte deshalb erst in einer späteren Protokollversion verhandelt werden. Bis dahin bleibt die Marke von 1.924 Dollar der entscheidende Prüfstein: Erst ein Ausbruch darüber würde zeigen, ob die wochenlange Akkumulation der Wale tatsächlich in eine Kursbewegung übersetzt wird.
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