Kepler Cheuvreux hat EssilorLuxottica am Donnerstag von „Buy“ auf „Reduce“ heruntergestuft und das Kursziel von 244 auf 135 Euro gekappt. Analyst Cuglietta begründet den Schritt mit einer massiv gesenkten Prognose für Smart Glasses: Statt 38 Millionen Einheiten im Geschäftsjahr 2030 erwartet er nun nur noch 15 Millionen verkaufte Geräte. Die Aktie fiel im Zuge der Herabstufung um bis zu drei Prozent auf 140,70 Euro.
Der Vertrauensverlust der Analysten trifft EssilorLuxottica in einer heiklen Phase. Parallel zur Herabstufung meldeten mehrere internationale Medien am heutigen Freitag, dass die Pariser Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung mit Smart Glasses eingeleitet hat.
Konkret geht es um Frauen, die ohne ihre Einwilligung gefilmt wurden – die Aufnahmen sollen anschließend online kursiert sein. Die französische Datenschutzbehörde CNIL bestätigte, weniger als zehn Beschwerden zu Smart Glasses am Arbeitsplatz erhalten zu haben.
Meta-Brille als Wachstumshoffnung gerät unter Druck
Die Ermittlungen betreffen unmittelbar das gemeinsam mit Meta entwickelte Brillenprodukt, an dem EssilorLuxottica maßgeblich beteiligt ist. Die Meta-Brillen kommen Berichten zufolge auf einen Weltmarktanteil von rund 76 Prozent, im Jahr 2025 wurden sieben Millionen Exemplare verkauft.
Für 2026 hatte das Unternehmen laut den zitierten Berichten noch „exponentielles Wachstum“ in Aussicht gestellt – genau jene Wachstumsstory, die Kepler Cheuvreux nun infrage stellt.
Nach französischem Recht drohen für heimliches Filmen ohne Einwilligung in Privaträumen bis zu einem Jahr Haft und Geldstrafen von bis zu 45.000 Euro.
Die regulatorische Reaktion bleibt nicht auf Frankreich beschränkt: Britische Kinos untersagen inzwischen das Tragen von Smart Glasses, in Deutschland liegt eine Strafanzeige gegen Meta vor, und Australien erwägt ein Verbot der Geräte an Regierungsarbeitsplätzen.
Diese Häufung internationaler Vorbehalte dürfte die Akzeptanz der Technologie bei Verbrauchern und Unternehmen bremsen – ein Risiko, das Kepler Cheuvreux mit der drastischen Absenkung der Absatzprognose bereits einpreist.
Nicht alle Analysten sind pessimistisch
Gegen den Trend bestätigte UBS am selben Tag ihre Kaufempfehlung für EssilorLuxottica, ohne die Herabstufung zu kommentieren. Die Einschätzungen der Investmenthäuser klaffen damit deutlich auseinander – ein Zeichen dafür, wie unterschiedlich die langfristigen Aussichten der Smart-Glasses-Sparte derzeit bewertet werden.
Am Markt spiegelt sich die angespannte Stimmung deutlich: Die Aktie notiert aktuell bei 140,20 Euro und damit nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 139,30 Euro, das erst kürzlich markiert wurde. Der Kursverfall summiert sich über die vergangenen 30 Tage auf 14 Prozent.
Operativ bleibt das Unternehmen unterdessen aktiv: In Malaysia unterzeichnete EssilorLuxottica eine Vereinbarung zur Übernahme der Optik-Ketten A-Look, Seen und OWL, die zusammen mehr als 90 Filialen betreiben. Der Kaufpreis wurde nicht genannt, der Deal soll bis Ende Juni 2025 unter üblichen Bedingungen abgeschlossen werden.
Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Regulatorischer Gegenwind für das margenstarke Wachstumsprodukt Smart Glasses trifft auf eine Analystenschar, die sich uneins ist, während operative Zukäufe im klassischen Optikgeschäft weiterlaufen.
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