Der Konflikt innerhalb der Gründerfamilie von EssilorLuxottica erreicht eine neue Eskalationsstufe. Leonardo Maria Del Vecchio, der Sohn des verstorbenen Firmenmitbegründers, kämpft laut Medienberichten öffentlich um die Umsetzung des väterlichen Testaments.
Zugleich sieht er sich mit massiven finanziellen Forderungen seiner Geschwister konfrontiert, während er seine operativen Rollen im Konzern aufgrund strategischer Differenzen bereits aufgegeben hat.
Juristische Auseinandersetzung um das Milliardenerbe
Im Zentrum des Streits steht die Holdinggesellschaft Delfin, welche die Anteile an dem Brillen-Weltmarktführer kontrolliert. Wie italienische Medien berichten, scheiterte Leonardo Maria Del Vecchio bereits dreimal mit dem Versuch, Anteile an der mit etwa 10 Milliarden Euro bewerteten Holding zu erwerben.
In diesem Zusammenhang fordern seine Geschwister Luca und Paola nun eine Summe von insgesamt 500 Millionen Euro von ihm, da ein geplanter Kauf ihrer Anteile nicht vollzogen worden sei.
Die finanzielle Situation des Erben rückt dabei zunehmend in den Fokus. Seine Investmentgesellschaft LMDV Capital verfügt zwar über ein geschätztes Privatvermögen von rund 6 Milliarden Euro, weist jedoch gleichzeitig eine Gesamtverschuldung von 950 Millionen Euro auf.
Trotz dieser Verbindlichkeiten und persönlicher Kreditlinien in Höhe von 500 Millionen Euro betonte Leonardo Maria Del Vecchio in einem Interview mit der Zeitschrift Chi, dass keine Zahlungen überfällig seien und er bereit gewesen wäre, für das Vermächtnis seines Vaters Kredite von bis zu 10 Milliarden Euro aufzunehmen.
Strategischer Rückzug und operative Unsicherheit
Neben den privaten Streitigkeiten belastet der Austritt von Leonardo Maria Del Vecchio aus dem operativen Geschäft das Vertrauen der Anleger in die Stabilität der Führung. Er gab seine Positionen als Chief Strategy Officer sowie als Präsident der Kernmarke Ray-Ban auf. Als Grund nannte er Differenzen über die strategische Ausrichtung des Konzerns, die er nach eigenen Angaben nicht länger teilen konnte.
Diese personelle Unruhe trifft das Unternehmen in einer ohnehin schwierigen Marktphase. Bereits vor gut drei Wochen sorgte eine Strafanzeige gegen die Muttergesellschaft von Ray-Ban für Verunsicherung unter den Investoren. Die rechtlichen Auseinandersetzungen innerhalb der Familie Del Vecchio werden nun am 22. September vor einem Gericht in Luxemburg fortgesetzt, wo über die Modalitäten der Anteilsübertragung entschieden werden soll.
Historische Tiefstände im Schatten des Erbstreits
Die Aktie von EssilorLuxottica reagiert empfindlich auf die anhaltenden Schlagzeilen über die Uneinigkeit im Aktionärskreis. Gestern schloss das Papier im deutschen Handel bei 150,10 Euro. Damit setzt sich der negative Trend der vergangenen Monate fort, der den Wert des Unternehmens massiv gemindert hat.
Seit Jahresanfang verzeichnete der Titel einen deutlichen Rückgang von 45 Prozent. Die Unsicherheit über die künftige Machtverteilung und die strategische Führung führte dazu, dass der Kurs am Montag mit 146,80 Euro ein neues 52-Wochen-Tief markierte. Anleger blicken nun gespannt auf den anstehenden Gerichtstermin, der Klarheit über die künftigen Stimmverhältnisse in der Holding Delfin bringen könnte.
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