EssilorLuxottica hat am 3. September Angaben zu Aktienkapital und Stimmrechten veröffentlicht, wie sie zum 31. Juli bestanden. Die Pflichtmitteilung bestätigt, dass die Stimmrechte eines einzelnen Aktionärs laut Gesellschaftssatzung auf 31 Prozent begrenzt bleiben – eine Regelung, die angesichts der jüngsten Familienquerelen an Bedeutung gewonnen hat.
Nach dem Rückzug: Rückkaufprogramm soll Vertrauen zurückbringen
Der Ende August bekanntgegebene Ausstieg von Leonardo Maria Del Vecchio als Chief Strategy Officer und Präsident von Ray-Ban hatte den Kurs zusätzlich belastet. In seinem Rücktrittsschreiben kritisierte er den Führungsstil des Unternehmens als distanziert und unpersönlich.
Das Verhältnis zu CEO Francesco Milleri hatte sich bereits im Juni abgekühlt, nachdem Del Vecchio gescheitert war, Anteile zweier Geschwister an der Familienholding zu übernehmen. Über die Holding Delfin bleibt er mit 12,5 Prozent an EssilorLuxottica beteiligt und kündigte an, sich weiterhin für Unabhängigkeit und stabile Eigentümerstruktur des Konzerns einzusetzen.
Als Reaktion kündigte EssilorLuxottica am 28. August ein Rückkaufprogramm an. Ein Dienstleister erhielt das Mandat, bis zu fünf Millionen Aktien zu erwerben, das Volumen soll mehr als 800 Millionen Euro erreichen. Das Unternehmen begründete den Schritt mit Vertrauen in die eigene Wertschöpfung und die langfristigen Perspektiven. An der Pariser Börse sprang die Aktie daraufhin zeitweise um bis zu 3,8 Prozent nach oben.
Wie weit der Rückkauf inzwischen fortgeschritten ist, zeigt eine Meldung vom 31. August: Im August wurden 137.964 Aktien zu einem gewichteten Tagesdurchschnittskurs von rund 159,87 Euro über mehrere Handelsplätze erworben. Der Schlusskurs vom Freitag lag mit 151,20 Euro bereits deutlich darunter – der Rückkauf hat den Abwärtstrend bislang nicht gestoppt.
Operatives Geschäft läuft, doch der Kurs hört nicht zu
Fundamental steht der Konzern solide da. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz auf 14.818 Millionen Euro, ein Plus von 9,7 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Im zweiten Quartal wuchs der Erlös auf 7.692 Millionen Euro, das bereinigte Betriebsergebnis legte um 15 Prozent zu, die Marge kletterte auf 18,9 Prozent. Die Cash-Generierung übertraf 1,07 Milliarden Euro, den stärksten Wert seit fünf Jahren.
Auch strategisch bleibt EssilorLuxottica sichtbar: Das Unternehmen wurde offizieller Unterstützer der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina, die Marke EA7 soll dabei die Verbindung von Sporttechnik und italienischer Handwerkskunst demonstrieren.
Im Kerngeschäft mit smarten Brillen zusammen mit Meta hat sich der Absatz 2025 auf über sieben Millionen Stück verdreifacht, Branchenprognosen erwarten für den Gesamtmarkt intelligenter Brillen 2026 einen Anstieg auf 13,4 Millionen Einheiten.
Diese operative Stärke steht in auffälligem Kontrast zur Kursentwicklung: Seit Jahresbeginn hat die Aktie 44 Prozent verloren, allein binnen 30 Tagen ging es um 13 Prozent nach unten.
Anleger scheinen weniger die Zahlen zu bezweifeln als die Frage, ob die Führungsspitze nach dem Rückzug eines wichtigen Familienmitglieds die Kontrolle über Kommunikation und Strategie wiedergewinnt. Der Rückkauf allein dürfte diese Vertrauensfrage kaum klären – dafür braucht es sichtbare Stabilität an der Spitze.
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