Der April wird für die Erste Group zum ersten echten Prüfstein der neuen Konzernstruktur. Hauptversammlung, Dividendenabschlag und der erste Quartalsbericht nach der Polen-Übernahme folgen in rascher Abfolge — und jeder dieser Termine birgt seine eigene Brisanz.
Den Auftakt macht die ordentliche Hauptversammlung am 17. April in Wien. Dort stimmen die Aktionäre über eine drastisch reduzierte Dividende ab: Statt der 3,00 Euro je Aktie aus dem Vorjahr sollen nur noch 0,75 Euro ausgeschüttet werden. Die Ausschüttungsquote sinkt damit von 50 bis 55 Prozent auf rund 10 Prozent. Der Grund ist bekannt — die vollständig aus Eigenmitteln finanzierte Übernahme eines beherrschenden Anteils an der Santander Bank Polska im Januar 2026.
Solide Basis, hohe Integrationskosten
Das operative Fundament ist dabei durchaus belastbar. Die Erste Group steigerte ihren Nettogewinn 2025 auf 3,5 Milliarden Euro, das Kreditvolumen wuchs um 6,4 Prozent auf 232 Milliarden Euro. Zwei Drittel des Gewinns stammen aus Märkten außerhalb Österreichs — ein Beleg für die regionale Diversifikation, die die Polen-Transaktion nun weiter vertieft.
Die Kosten der Integration sind bereits konkret beziffert: 180 Millionen Euro Integrationsaufwand, 70 Millionen Euro jährliche Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte sowie rund 450 Millionen Euro an Bankensteuern und regulatorischen Abgaben, vor allem in Ungarn und Rumänien. Das Rebranding von 485 Filialen auf „Erste Bank Polska“ startet im zweiten Quartal, die vollständige Integration soll rund zwei Jahre dauern.
Erste Bank Group AG Aktie Chart
Was die Q1-Zahlen verraten werden
Am 30. April veröffentlicht die Bank ihre Zahlen zum ersten Quartal — und damit erstmals mit konsolidierter polnischer Tochter. Die Erstkonsolidierung dürfte die harte Kernkapitalquote (CET1) um rund 460 Basispunkte drücken. Hinzu kommen 300 Millionen Euro Belastung in den Risikokosten, die aus der IFRS-konformen Fair-Value-Bewertung des polnischen Portfolios resultieren — kein Qualitätsproblem, aber ein erheblicher Einmaleffekt.
Das Management zeigt sich zuversichtlich: Für 2026 erwartet die Erste Group einen um mehr als 20 Prozent höheren bereinigten Gewinn je Aktie, eine Eigenkapitalrendite von rund 19 Prozent und einen Zinsüberschuss von mehr als 11 Milliarden Euro. Das Kreditvolumen soll unter Einbeziehung von Polen die Marke von 285 Milliarden Euro überschreiten. Die CET1-Zielquote für 2026 liegt bei 14,25 Prozent — nach dem erwarteten Einbruch durch die Konsolidierung soll die Quote im Jahresverlauf wieder ansteigen.
Mit nun rund 23 Millionen Kunden in Zentral- und Osteuropa hat die Erste Group ihr strategisches Gewicht deutlich erhöht. Ob sich die Wachstumslogik in den Zahlen bestätigt, zeigt sich spätestens am 30. April — die Aktie notiert aktuell rund 17 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 111 Euro und knapp am 200-Tage-Durchschnitt.
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