Die Erste Group hat ihren Finanzausblick für das laufende Geschäftsjahr 2026 nach oben korrigiert. Das Kreditinstitut reagiert damit auf eine dynamische Entwicklung in den Kernmärkten und einen deutlichen Gewinnsprung in den ersten sechs Monaten.
Das Unternehmen erwartet nun eine Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von mehr als 20 Prozent, nachdem zuvor rund 19 Prozent in Aussicht gestellt worden waren. Auch beim Gewinn je Aktie (EPS) wird für das Gesamtjahr ein Zuwachs von mehr als 20 Prozent prognostiziert.
Deutliches Plus beim Nettogewinn
Die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 unterstreichen die operative Stärke der Bank. Der Nettogewinn kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18,6 Prozent auf 1.975 Millionen Euro. Maßgeblich getrieben wurde dieses Ergebnis durch die Nettozinserträge, die auf 5.386 Millionen Euro anstiegen. Besonders in den Märkten Tschechien, Slowakei und Ungarn profitierte das Institut von einem soliden Kreditwachstum und vorteilhaften Konditionen bei den Kundeneinlagen. Das operative Ergebnis verbesserte sich signifikant um 49,3 Prozent auf 4.422 Millionen Euro.
Gleichzeitig stieg das Volumen der Kundenkredite bis zum Ende des ersten Halbjahres auf 282,7 Milliarden Euro an. Dies entspricht einem Zuwachs von fast 22 Prozent gegenüber dem Jahresende 2025. Infolge dieser Entwicklung hat die Konzernleitung ihr Ziel für das Kreditvolumen zum Jahresende auf rund 290 Milliarden Euro angehoben.
Zuvor war die Bank von mehr als 285 Milliarden Euro ausgegangen. Für das Kreditwachstum in den sieben etablierten Kernmärkten ohne Polen wird nun ein Plus von 6 bis 8 Prozent erwartet.
Integration in Polen zeigt erste Erfolge
Ein wesentlicher strategischer Pfeiler der aktuellen Entwicklung ist die Expansion in den polnischen Markt. Nach dem Abschluss des Rebrandings der ehemaligen Santander Bank Polska zur Erste Bank Polska im April 2026 konnte das Institut im ersten Halbjahr bereits über 300.000 Neukunden gewinnen. Insgesamt haben nun rund 6 Millionen Kunden in Polen Zugriff auf das Filialnetz von 534 Standorten.
Trotz der mit der Integration verbundenen Kosten zeigt sich das Management zuversichtlich. Für die Erste Bank Polska werden im laufenden Jahr Integrationsaufwendungen von bis zu 180 Millionen Euro erwartet.
Die Risikokosten im ersten Halbjahr beliefen sich auf 302 Millionen Euro, was primär auf Belastungen aus Wertberichtigungen im Zuge der Erstkonsolidierung der polnischen Tochter zurückzuführen ist. Operativ gibt es laut Unternehmensangaben jedoch keine Anzeichen für eine Verschlechterung der Portfolioqualität.
Langfristige Wachstumsziele bis 2030
Über das aktuelle Geschäftsjahr hinaus setzt sich die Erste Group ambitionierte Ziele. Bis zum Jahr 2030 soll der Gewinn je Aktie auf mehr als 15 Euro steigen. Dies entspräche einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 15 Prozent. Die Eigenkapitalverzinsung soll über den gesamten Prognosezeitraum hinweg bei mehr als 20 Prozent liegen. Zudem strebt die Bank eine Kosten-Ertrags-Relation von unter 47 Prozent an, was eine weitere Verbesserung gegenüber dem Vorjahreswert von 48 Prozent bedeuten würde.
An der Börse wird die operative Entwicklung honoriert. Medienberichten zufolge erreichte das Papier am Donnerstag ein Rekordhoch von 124,00 Euro und knüpfte damit an die positive Dynamik von Anfang August an.
Am heutigen Montag notiert die Aktie bei 122,20 Euro, was einem leichten Rückgang von 0,3 Prozent entspricht. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Wert jedoch ein deutliches Plus von 19 Prozent. Die harte Kernkapitalquote (CET1) lag zum Ende des ersten Halbjahres bei 15,2 Prozent.
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