Equinor: Versicherung gegen den Zapfsäulen-Schmerz
Seit dem 1. Oktober gilt in Deutschland der neue Tankrabatt: Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel wurde um 14 Cent je Liter gesenkt, mit der entfallenden Mehrwertsteuer sollten knapp 17 Cent an der Zapfsäule ankommen. Angekommen ist davon bislang wenig. Schon beim ersten Rabatt im Mai gaben die Mineralölkonzerne die Steuersenkung nicht vollständig weiter – am ersten Abend erreichten nur rund drei Viertel der Entlastung die Autofahrer.
Diesmal frisst der steigende Ölpreis den Rest gleich wieder auf: Die Nordseesorte Brent notiert aktuell über 104 Dollar je Barrel. Dass die Preise an der Zapfsäule bei steigendem Ölpreis stets schneller nach oben gehen als nach unten, scheint dabei kein Zufall der Marktmechanik zu sein. Die Konzerne verdienen an der Lage – und der Steuerzahler finanziert mit 2,5 Mrd. Euro einen Rabatt, der zu großen Teilen in deren Kassen landet.
Umso genauer lohnt der Blick auf ein Unternehmen, das von genau dieser Gemengelage profitiert: Der norwegischer Energiekonzern Equinor.
Eskalationsangst am Persischen Golf treibt Ölpreis
Der Ölpreis hält sich wegen des Iran-Konflikts seit Wochen im Bereich von 100 Dollar. Weder die USA noch der Iran wollen im Kriegs-Patt nachgeben. Hin und wieder wird zwar eine Annäherung propagiert, doch bislang ist nichts dabei rumgekommen. Im Gegenteil: Aus der Gerüchteküche heißt es, im Pentagon liefen die Vorbereitungen für die nächste Eskalationsstufe.
Das US-Verteidigungsministerium hat das zuständige Regionalkommando offenbar angewiesen, die Vorbereitungen für eine Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen gegen den Iran abzuschließen. Ein Angriffstermin ist noch nicht festgelegt – Präsident Trump hat die Entscheidung noch nicht getroffen –, amerikanische und israelische Quellen halten neue Angriffe aber trotz Trumps gegenteiliger Äußerungen noch vor den US-Kongresswahlen im November für möglich. Als Ziele werden iranische Energieanlagen, Infrastruktur und Nukleareinrichtungen genannt. Die iranischen Gegenangriffe dürften in den arabischen Ländern den Gas- und Ölförderanlagen gelten, je nach Zerstörungsgrad wird dann der Ölpreis weiter klettern.
Doch auch ohne neue Angriffe bleibt die Lage angespannt. Von Ende September bis Anfang Oktober wurden mindestens zwölf Angriffe auf Öl-, Flüssigerdgas- und Flüssiggastanker in der Straße von Hormus registriert – die höchste Zahl innerhalb einer Woche seit Kriegsbeginn. Am Mittwoch der Vorwoche wurde ein Tanker vor Katar von mehreren Geschossen getroffen, der erste Angriff tief im Persischen Golf seit rund einem Monat.
Zugleich verschärfen sich im Jemen die Kämpfe zwischen den vom Iran unterstützten Huthis und den von Saudi-Arabien unterstützten Kräften; im Juli verhängten die Huthis eine Seeblockade gegen das Königreich und stören damit ein weiteres Nadelöhr der internationalen Schifffahrt. Die Folgen sind dramatisch: Die Frachtraten für Tanker haben sich inzwischen auf das 43-Fache des Januar-Niveaus vervielfacht – das schlägt sich am Ende in den Preisen nieder und treibt die Inflation.
Norwegens Energieriese fördert weit weg von jeder Konfliktzone
Hoch im Norden ist man davon weit weg. Equinor – bis 2018 unter dem Namen Statoil bekannt und mehrheitlich im Besitz des norwegischen Staates – fördert Öl und Gas vor allem in der Nordsee und versorgt damit die europäischen Partner. Steigt der Ölpreis wegen der Lage am Golf, steigen unmittelbar die Einnahmen der Norweger – und mit ihnen der Aktienkurs.
Wie profitabel das Geschäft derzeit läuft, zeigten die Zahlen zum zweiten Quartal: Bei einer Förderung von 2,17 Mio. Fass Öläquivalent pro Tag erwirtschaftete Equinor ein bereinigtes operatives Ergebnis von 11 Mrd. Dollar vor Steuern. An der Börse kommt das an: Seit Ende Juni legte die Equinor-Aktie rund 40% zu. Die Aktie wirkt damit wie eine Versicherung gegen den Schmerz an der Zapfsäule.
Milliarden fließen an die Aktionäre zurück
Die Kursgewinne sind dabei nur eine Seite der Medaille. Einen erheblichen Teil der Gewinne reicht der Konzern an seine Anteilseigner weiter. Im Juni verdoppelte Equinor das Aktienrückkaufprogramm für 2026 auf 3 Mrd. Dollar und stellte für die Jahre ab 2027 jährlich 2 bis 4 Mrd. Dollar in Aussicht – wohlgemerkt kalkuliert mit einem unterstellten Ölpreis von 60 bis 80 Dollar.
Bei Ölpreis-Notierungen über 100 Dollar dürfte entsprechend mehr Geld zurückfließen. Auch die Quartalsdividende soll um mehr als 5% pro Jahr wachsen, aktuell liegt die Dividendenrendite bei rund 4%.
Windparks und CO2-Speicher als zweites Standbein
Trotz der aktionärsfreundlichen Politik bleibt reichlich Geld für andere Projekte. Rund ein Zehntel der Investitionen fließt in das Stromgeschäft: Vor der britischen Küste betreibt Equinor mit Dogger Bank den größten Offshore-Windpark der Welt und will die eigene Stromproduktion bis 2030 auf über 20 Terawattstunden steigern.
Dazu kommt Northern Lights, Europas erste kommerzielle CO2-Speicherung unter dem Meeresboden vor Norwegen, an der Equinor ein Drittel hält. Die Norweger sind damit kein grüner Vorreiter, aber auch kein reiner Ölförderer, der in zehn Jahren ohne Geschäftsmodell dasteht: Das Öl bringt heute das Geld, Wind und CO2-Speicher sichern das Geschäft von morgen ab.
Quartalszahlen Ende Oktober als nächster möglicher Kurstreiber
Ende Oktober legt Equinor die Zahlen zum dritten Quartal vor. Angesichts des anhaltend hohen Ölpreises und unterdurchschnittlicher Gasspeicher-Stände deutet vieles auf ein weiteres starkes Quartal hin.
Solange die Spannungen am Persischen Golf anhalten und Europa verlässliche Energielieferanten sucht, sitzt der norwegische Staatskonzern an der Quelle. Während Autofahrer an der Zapfsäule draufzahlen, verdient Equinor an jedem Dollar, den der Ölpreis zulegt.
Equinor ASA-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Equinor ASA-Analyse vom 14. Oktober liefert die Antwort:
Die neusten Equinor ASA-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Equinor ASA-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 14. Oktober erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
