Claudio Descalzi spart nicht mit Worten. Der CEO von Eni bezeichnet den Krieg im Iran und die mögliche Sperrung der Straße von Hormus als „das bedeutendste Ereignis der letzten 40 Jahre“ – und zieht daraus Schlussfolgerungen, die in Brüssel niemanden erfreuen werden.
Konkret fordert er, das geplante EU-Verbot für russisches LNG vorerst auszusetzen. 20 Milliarden Kubikmeter, die ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr aus Russland fließen sollen. Descalzi will genau das kippen. Die Lega unterstützt ihn, die SPD Italiens, der Partito Democratico, lehnt es ab. Elly Schlein verweist auf Putin und den Krieg. Descalzi verweist auf die Straße von Hormus.
600 Tankstellen ohne Diesel
Was nach geopolitischer Theorie klingt, ist längst Alltag. „Am vergangenen Wochenende war der Diesel an 600 unserer Tankstellen ausverkauft“, sagte Descalzi. Er erklärt das mit zu niedrigen Preisen und gestiegener Nachfrage. Seit Ausbruch des Konflikts hat sich das verfügbare Rohöl um rund 12 Millionen Barrel verringert. Eine mögliche Seeblockade der Straße von Hormus, die Donald Trump ins Gespräch gebracht hat, würde zusätzlich 1,5 Millionen Barrel täglich aus dem Markt nehmen, die der Iran vor allem nach China exportiert.
Europa hat sich derweil selbst geschwächt: 36 Raffinerien wurden in den letzten Jahren geschlossen. Bei Kerosin importiert der Kontinent bereits 35 Prozent seines Bedarfs. „Wir befinden uns in einer Situation, in der man entweder die Kapazität hat, das Benötigte selbst zu produzieren, oder man geht ein Risiko ein“, so Descalzi.
Physisches Öl und Papieröl leben in verschiedenen Welten
Besonders aufschlussreich ist, was Descalzi über die Ölmärkte sagt. WTI-Futures für Juni-Lieferung sind auf 95,2 USD gefallen, während Spot-Ladungen ein Allzeithoch von 144 USD pro Barrel erreichten. In Asien liegt der physische Markt bei 150 USD. „Die Fracht geht dorthin, wo der höchste Preis erzielt wird. Die Frage sind also nicht die Preise, sondern die Volumina“, stellt Descalzi fest.
Für Italien gibt er Entwarnung: Die 6,5 Milliarden Kubikmeter aus Katar ließen sich durch Lieferungen aus Angola, Nigeria, dem Kongo und Amerika ersetzen. Der Rest Europas muss sich das selbst ausrechnen.
Am Ende steht das R-Wort
Ohne neue Lieferquellen bleibt laut Descalzi nur ein Ausweg: eine Kontraktion der Nachfrage. Sprich: Rezession. Das haben in Italien auch schon Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti und Industrieminister Adolfo Urso angedeutet. Wenn der CEO des größten italienischen Energiekonzerns dasselbe sagt, ist es kein Alarmismus mehr. Es ist Lagebericht.
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