Nach einer wochenlangen Talfahrt zeigt sich die Aktie von Energiekontor am heutigen Donnerstag stabilisiert. Das Papier notiert mit einem Plus von 2,9 % bei 24,90 € und unternimmt damit einen ersten Erholungsversuch.
Erst gestern war der Kurs auf ein neues 52-Wochen-Tief von 23,70 € abgerutscht. Die psychologisch wichtige Marke wurde damit zwar kurzzeitig unterschritten, doch die heutige Gegenbewegung deutet auf ein gesteigertes Kaufinteresse auf dem ermäßigten Niveau hin.
Trotz der aktuellen Kursgewinne bleibt die Bilanz für das laufende Jahr tiefrot. Seit Jahresbeginn hat der Titel 31 % an Wert verloren. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das Mitte Mai noch bei 50,40 € markiert wurde, beträgt inzwischen 51 %. Maßgeblicher Auslöser für diesen drastischen Wertverfall war eine deutliche Senkung der Ergebnisprognose vor gut drei Wochen, die den Markt überraschte.
Massive Prognosesenkung durch schottische Projektverzögerungen
Der Bremer Projektierer von Wind- und Solarparks musste Mitte August seine Erwartungen für das Gesamtjahr 2026 drastisch revidieren. Das voraussichtliche Ergebnis vor Steuern (EBT) wird nun nur noch in einer Spanne von 5 bis 10 Millionen Euro erwartet, nachdem ursprünglich 40 bis 60 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden waren. Grund für diesen Einbruch sind Verzögerungen bei drei schottischen Windparkprojekten mit einer Gesamtkapazität von rund 1,4 Gigawatt.
Hintergrund der Verzögerungen ist ein laufendes Rechtsverfahren gegen die Genehmigung für eine Überlandleitung von Scottish Power Transmission. Eine gerichtliche Klärung dieses Sachverhalts wird erst für die erste Hälfte des Jahres 2027 erwartet.
In der Folge verschiebt sich die geplante Inbetriebnahme der betroffenen Parks von 2029 auf das Jahr 2031. Energiekontor hatte am Abend des 13. August per Ad-hoc-Mitteilung über diesen Umstand informiert, was einen massiven Abverkauf auslöste.
Gemischtes Bild im Halbjahresbericht
Die zeitgleich veröffentlichten Zahlen für das erste Halbjahr 2026 verdeutlichten die operative Anspannung. Zwar stieg der Konzernumsatz um 31,4 % auf 99,9 Millionen Euro, doch unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 5,3 Millionen Euro.
Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 24,1 Millionen Euro ausgewiesen. Besonders das Segment Projektentwicklung & Verkauf belastete das Ergebnis mit einem Sparten-EBT von minus 12,9 Millionen Euro, was auf eine hohe Bautätigkeit und gestiegene Materialaufwendungen zurückzuführen war.
Demgegenüber zeigte sich das Segment Stromerzeugung im Eigenbestand robuster. Der Umsatz in diesem Bereich kletterte um 12,4 % auf 34,5 Millionen Euro, während das Segment-EBT von 4,8 Millionen Euro auf 7,0 Millionen Euro zulegte.
Zum Ende des ersten Halbjahres umfasste der Eigenbestand 41 Wind- und Solarparks mit einer Gesamtleistung von rund 461 Megawatt. Die gesicherte Projektpipeline wurde mit etwa 11,3 Gigawatt angegeben, wovon sich 3,0 Gigawatt in fortgeschrittenen Phasen befinden.
Analysten reagieren auf die neuen Rahmenbedingungen
Die Analystenhäuser passten ihre Bewertungen unmittelbar nach der Gewinnwarnung an. Am 14. August halbierte die DZ Bank ihr Kursziel von zuvor 59 Euro auf nun 27 Euro und stufte die Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ ab.
Analyst Thorsten Reigber begründete diesen Schritt mit der deutlich reduzierten Prognose. Auch Warburg Research stellte die bisherige Kaufempfehlung und das Kursziel von 77 Euro auf den Prüfstand, wobei die Unsicherheit über die verbleibenden Ergebnisbeiträge betont wurde.
Parallel zu den operativen Herausforderungen setzt das Unternehmen sein Aktienrückkaufprogramm fort. Ende Mai wurde ein neues Programm beschlossen, das den Erwerb von bis zu 80.000 Aktien im Wert von maximal 9 Millionen Euro bis Mai 2027 vorsieht.
In operativer Hinsicht meldete Energiekontor zuletzt Fortschritte bei kleineren Projekten, wie den Abschluss der Finanzierung für den Solarpark Kolitzheim-Herlheim, für den zudem ein langfristiger Stromliefervertrag mit der Drogeriemarktkette dm unterzeichnet wurde. Die Inbetriebnahme dieses Parks ist für das erste Halbjahr 2027 geplant.
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