Energiekontor kommt nicht zur Ruhe. Nach der Gewinnwarnung vom vergangenen Donnerstag hat die DZ Bank am Freitag ihr Kursziel für die Aktie drastisch gekappt und die Einstufung von „Kaufen“ auf „Halten“ gesenkt.
Analyst Thorsten Reigber reduzierte sein Kursziel von 59 Euro auf 27 Euro und schraubte seine Schätzungen für das Vorsteuerergebnis bis 2028 deutlich nach unten. Warburg Research zog am selben Tag die Reißleine und stellte Kaufempfehlung sowie Kursziel von 77 Euro ganz ein.
Die Aktie notiert aktuell bei 26,15 Euro und damit nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 25,30 Euro, das erst am 17. August markiert wurde. Der Kursverfall der vergangenen Wochen zeigt, wie stark die Neubewertung durch den Markt bereits vorweggenommen wurde – das neue DZ-Bank-Kursziel von 27 Euro liegt nur noch minimal über dem aktuellen Niveau.
Grund für den Einbruch: Verzögerungen in Schottland
Auslöser der Talfahrt war die Ankündigung des Unternehmens, seine Konzern-EBT-Prognose für das laufende Jahr von ursprünglich 40 bis 60 Millionen Euro auf nur noch 5 bis 10 Millionen Euro zu senken. Verantwortlich dafür sind massive Verzögerungen bei drei schottischen Windparkprojekten.
Die Netzanschlusstermine verschieben sich von 2029 auf 2031, weil ein Rechtsverfahren gegen die Genehmigung einer Überlandleitung von Scottish Power Transmission läuft. Eine gerichtliche Klärung wird erst im ersten Halbjahr 2027 erwartet – die Unsicherheit dürfte die Aktie also noch länger begleiten.
Die operativen Zahlen für das erste Halbjahr unterstreichen die Schieflage: Der Umsatz legte zwar um 31 Prozent auf 99,9 Millionen Euro zu, doch das EBIT brach um 74 Prozent auf 10,1 Millionen Euro ein.
Unter dem Strich stand ein Konzernverlust von 5,3 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie lag bei minus 0,38 Euro. Der massive Gewinnrückgang trotz steigender Umsätze zeigt, wie stark die verzögerten Netzanschlüsse und damit verbundene Sonderbelastungen auf die Marge drücken.
Projektpipeline bleibt intakt
Trotz der Rückschläge in Schottland verweist Energiekontor auf eine breite Projektpipeline: Im ersten Halbjahr befanden sich 20 Projekte mit einer Gesamtleistung von 609 Megawatt im Bau. Hinzu kommen 41 eigene Wind- und Solarparks mit rund 461 Megawatt Leistung, die weiterhin Erträge liefern.
Diese Substanz dürfte mit erklären, warum Warburg Research trotz der Einstellung der eigenen Bewertung keine fundamentale Verkaufsempfehlung ausspricht, sondern lediglich auf die gestiegene Unsicherheit reagiert.
Parallel zur operativen Krise hält das Unternehmen an seiner Kapitalrückführung fest: Ende Mai wurden 47.314 eigene Aktien eingezogen und das Grundkapital entsprechend reduziert. Gleichzeitig startete ein neues Rückkaufprogramm über bis zu 80.000 Aktien mit einem maximalen Gesamtkaufpreis von 9 Millionen Euro, das bis Ende Mai 2027 läuft.
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob das Gericht in Schottland die Genehmigung der Überlandleitung bestätigt – erst dann dürfte sich zeigen, ob die massiv gesenkte Prognose für 2026 tatsächlich der Tiefpunkt war oder ob weitere Verzögerungen drohen.
Energiekontor-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Energiekontor-Analyse vom 19. August liefert die Antwort:
Die neusten Energiekontor-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Energiekontor-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 19. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
