Rund 150 Prozent Aufwärtspotenzial laut Analysten — und trotzdem fällt die Aktie weiter. Bei Energiekontor klaffen Marktpreis und Analystenmeinung so weit auseinander wie selten.
Der Kurs schloss am Freitag bei 36,05 Euro. Das ist ein Minus von fast 15 Prozent in sieben Tagen und über 20 Prozent im Monatsverlauf. Sechs Analysten sehen ein durchschnittliches Kursziel von 92,33 Euro — die Spanne reicht von 74 bis 117 Euro. Verglichen mit RWE oder E.ON ist diese Lücke zwischen Konsens und aktuellem Kurs außergewöhnlich groß.
Rückkaufprogramm verpufft
Energiekontor kauft weiter eigene Aktien zurück. Ende Mai 2026 startete das Bremer Unternehmen ein neues Programm: bis zu 80.000 Aktien, maximal 9 Millionen Euro Gesamtvolumen, Laufzeit bis Mai 2027. Die Quirin Privatbank führt die Käufe nach Safe-Harbour-Regelungen durch.
Parallel zog Energiekontor gut 47.000 Aktien ein, die zwischen Juli 2025 und April 2026 erworben worden waren. Das Grundkapital sank dadurch auf 13.894.772 Euro.
Den Kursverfall hat das nicht gestoppt. Die Aktie notiert mit 36,05 Euro rund 16 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 42,83 Euro. Der RSI liegt bei 32,2 — technisch überverkauftes Terrain.
Pipeline wächst, Prognose bleibt vage
Operativ läuft das Geschäft. Nach der Inbetriebnahme des Windparks Holtumer Moor umfasst das Eigenportfolio rund 455 Megawatt. Noch 2026 sollen zwei Solarparks in Mecklenburg-Vorpommern mit zusammen rund 113 Megawatt folgen — beide mit langfristigen Stromabnahmeverträgen. Eine Windenergieanlage in Niedersachsen mit rund 7 Megawatt kommt hinzu. Das Langfristziel liegt bei über 680 Megawatt.
21 Projekte mit 640 Megawatt befinden sich im Bau oder haben den Financial Close erreicht. Die Gesamtpipeline wuchs auf 12,2 Gigawatt.
Beim Ergebnis ist die Lage weniger klar. Für 2026 erwartet Energiekontor ein Vorsteuerergebnis zwischen 40 und 60 Millionen Euro. Die breite Spanne begründet das Unternehmen mit regulatorischen Unsicherheiten in Deutschland und Großbritannien. Analysten rechnen für das laufende Jahr mit einem Gewinnrückgang von 13,6 Prozent. Das Langfristziel von 120 Millionen Euro EBT bis 2028 bleibt bestehen — aber der Weg dorthin ist noch weit.
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