Der Bremer Projektierer für Erneuerbare Energien, Energiekontor, hat die Anleger am heutigen Freitag mit einer drastischen Korrektur seiner Ergebnisziele schockiert.
Eine massive Verzögerung bei wichtigen Windpark-Projekten in Schottland zwingt das Unternehmen dazu, die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr weitgehend zu streichen. Der Aktienkurs reagierte mit einem zweistelligen Einbruch und markierte im Handelsverlauf den tiefsten Stand seit sechs Jahren.
Prognosekürzung nach Netzanschluss-Problemen
Die Kernursache für die Neubewertung liegt in erheblichen Verzögerungen beim Ausbau der schottischen Netzinfrastruktur. Wie das Unternehmen mitteilte, verschieben sich die geplanten Netzanschlüsse für drei zentrale Windpark-Projekte — Cornharrow, Glenshimmeroch und Mid Moile — deutlich nach hinten.
Statt der ursprünglich vorgesehenen Inbetriebnahme im Jahr 2029 wird nun erst mit einem Anschluss im Jahr 2031 gerechnet. Hintergrund ist ein Rechtsstreit gegen den Netzbetreiber Scottish Power Transmission, in dem Energiekontor eine Klärung erst für das erste Halbjahr 2027 erwartet.
Diese zeitliche Verschiebung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Bilanz für 2026. Energiekontor senkte die Prognose für das Ergebnis vor Steuern (EBT) auf eine Spanne von lediglich 5 bis 10 Millionen Euro. Zuvor war das Management noch von einem Vorsteuergewinn zwischen 40 und 60 Millionen Euro ausgegangen. Damit liegt das neue Ziel weit unter den Erwartungen der Analysten, die im Konsens mit rund 50 Millionen Euro gerechnet hatten.
Kritik am Zeitpunkt der Bekanntgabe
Besonders die Kommunikation des Unternehmens sorgt am Markt für Unmut. Die Gewinnwarnung erfolgte erst am Donnerstagabend nach Börsenschluss — nur wenige Stunden nachdem Energiekontor seine ursprüngliche Jahresprognose im Rahmen der Berichterstattung noch offiziell bestätigt hatte.
Experten der DZ Bank bezeichneten das Timing dieser Korrektur als „extrem unglücklich“, da das Vertrauen der Investoren durch die kurz aufeinanderfolgenden, widersprüchlichen Aussagen erheblich belastet werde.
Während das Unternehmen operativ in anderen Bereichen stabil scheint, wiegen die Unsicherheiten im schottischen Kerngeschäft schwer. Die Projekte dort sind ein wesentlicher Pfeiler der langfristigen Wachstumsstrategie. Analysten von Warburg Research, die bisher ein Kursziel von 77 Euro ausgegeben hatten, kündigten an, ihre Kaufempfehlung angesichts der neuen Nachrichtenlage einer eingehenden Prüfung zu unterziehen.
Aktie auf neuem Jahrestief
An der Börse löste die Nachricht eine Verkaufswelle aus, die das Papier ans Ende des SDax drückte. Aktuell notiert die Aktie bei 26,30 Euro, was einem Minus von 12 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs entspricht. Mit diesem Rücksetzer markiert der Titel zugleich ein neues 52-Wochen-Tief von 26,30 Euro.
Die Marktkapitalisierung des Unternehmens ist durch den Kursrutsch auf rund 478,35 Millionen Euro geschrumpft. Anleger müssen nun abwarten, ob die rechtliche Klärung in Großbritannien im kommenden Jahr eine verlässlichere Basis für die langfristigen Projektplanungen liefert oder ob weitere Wertberichtigungen in der Pipeline drohen.
Die hohe Volatilität der letzten Wochen unterstreicht die Nervosität im Sektor der Erneuerbaren Energien, der ohnehin mit steigenden Kosten und komplexen Genehmigungsverfahren kämpft.
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