Im Vorfeld der Farnborough Air Show veröffentlichte das Unternehmen seinen „Market Outlook 2026“, der eine massive Nachfrage nach kleineren Verkehrsflugzeugen voraussagt. Demnach besteht bis zum Jahr 2045 ein weltweiter Bedarf an 8.500 neuen Jets mit einer Kapazität von bis zu 150 Sitzen. Das geschätzte Marktvolumen für dieses Segment beziffert der Konzern auf rund 650 Milliarden US-Dollar.
Globale Nachfrage und regionale Wachstumstreiber
Hintergrund dieser Prognose ist eine erwartete Zunahme des weltweiten Passagieraufkommens um jährlich 3,7 Prozent. Bis 2045 soll der Flugverkehr ein Volumen von 19 Billionen Personenkilometern (RPK) erreichen. Laut dem Ausblick von Embraer wird Nordamerika mit 2.670 erwarteten Auslieferungen der größte Einzelmarkt bleiben, was einem Anteil von 31 Prozent entspricht. Es folgen Europa und die GUS-Staaten mit 1.870 Flugzeugen (22 Prozent).
Besonders dynamisch entwickelt sich der chinesische Markt, für den Embraer mit 5,2 Prozent das stärkste jährliche Wachstum prognostiziert. Gemeinsam mit der Region Asien-Pazifik soll China bis 2045 rund 40 Prozent des globalen Verkehrsaufkommens ausmachen. In Indien wird sogar ein Passagierwachstum von 6,2 Prozent pro Jahr erwartet, unterstützt durch den massiven Ausbau der dortigen Flughafen-Infrastruktur von 74 Standorten im Jahr 2014 auf geplante 350 bis 400 bis zum Jahr 2047. Als wesentliche Treiber für den Bedarf an Regionaljets gelten neue Industriezentren und ein zunehmend fragmentierter Tourismussektor.
Technologische Fortschritte und mögliche Neuaufträge
Neben den langfristigen Marktprognosen vermeldet Embraer Fortschritte bei der Ausstattung seiner aktuellen Modellreihen. Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA hat das Runway Overrun Awareness and Alerting System (ROAAS) für die E-Jet E2-Familie zertifiziert. Dieses Sicherheitssystem überwacht die Landeleistung in Echtzeit und warnt die Besatzung bei drohendem Überschießen der Landebahn. Zuvor hatte bereits die brasilianische Luftfahrtbehörde ANAC die Zulassung erteilt.
Zusätzlich zeichnen sich konkrete Verkaufserfolge ab. Wie Bloomberg Línea berichtet, steht die Abra Group, die Muttergesellschaft der Fluggesellschaften Gol und Avianca, in Verhandlungen über eine Bestellung von bis zu 20 E2-Jets. Eine offizielle Bekanntgabe könnte im Rahmen der laufenden Farnborough Air Show erfolgen. Ein solcher Auftrag wäre ein wichtiges Signal im Wettbewerb mit dem Airbus A220, für den sich zuletzt mehrere frühere Embraer-Kunden wie die Lufthansa, Air France und die ITA Airways entschieden hatten.
Marktkapitalisierung und technische Analyse
An den Finanzmärkten reagierte die Aktie zuletzt positiv auf die operativen Nachrichten. Der Kurs der Embraer-Aktie stieg auf 65,91 US-Dollar und kletterte damit über die psychologisch wichtige 200-Tage-Linie, die aktuell bei 64,93 US-Dollar verläuft. In der technischen Analyse gilt das Überschreiten dieses gleitenden Durchschnitts oft als bullisches Signal für den weiteren Trend.
Das Unternehmen wird derzeit mit einer Marktkapitalisierung von 11,91 Milliarden US-Dollar bewertet. Während das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 38,54 liegt, verweisen Analysten auf die prall gefüllten Auftragsbücher der gesamten Branche. Trotz industrieller Engpässe und einer weltweiten Knappheit an Flugzeugen, die laut Branchenberichten im laufenden Jahr etwa 2.000 Maschinen umfasst, bleibt die langfristige Nachfrageprognose von Embraer durch den hohen Bedarf an Flottenmodernisierungen gestützt. Rund 53 Prozent der bis 2045 erwarteten Auslieferungen sollen dem Ersatz älterer, weniger effizienter Maschinen dienen.
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