Der US-Pharma-Riese Eli Lilly treibt seine Diversifizierungsstrategie voran und verstärkt seine Präsenz im Bereich der Präzisionsimmunologie. Durch die Übernahme von Merida Biosciences sichert sich das Unternehmen den Zugang zu spezialisierten Therapien gegen Antikörper-vermittelte Krankheiten.
Während der Konzern im Bereich der Gewichtsreduktion weiterhin stark wächst, blicken Marktbeobachter zunehmend auf die Bewertung der Aktie und die Pipeline künftiger Medikamentengenerationen.
Übernahme von Merida Biosciences für 2,88 Milliarden Dollar
Am Montag gab Eli Lilly die Vereinbarung zur Übernahme des Biotechnologie-Unternehmens Merida Biosciences bekannt. Der Kaufpreis beläuft sich auf insgesamt 2,88 Milliarden US-Dollar, einschließlich möglicher erfolgsabhängiger Zahlungen. Die Transaktion wird als reiner Barkauf abgewickelt. Merida Biosciences, erst im Jahr 2022 gegründet, hat sich auf die Entwicklung neuartiger Immuntherapien spezialisiert.
Für Eli Lilly stellt dieser Zukauf eine gezielte Ergänzung des Portfolios dar, um neben den dominierenden Erfolgen bei Diabetes- und Adipositas-Behandlungen ein weiteres Standbein in der Immunologie zu festigen. Die Integration von Meridas Ansätzen zur Behandlung Antikörper-vermittelter Leiden soll die langfristige Forschungspipeline des Konzerns absichern.
Neue Generation der Abnehmpräparate in der Entwicklung
Parallel zur Expansion durch Zukäufe fokussiert sich Eli Lilly auf die Weiterentwicklung seiner Blockbuster-Pipeline. Das neue Medikament Retatrutide befindet sich seit rund zehn Jahren in der Entwicklung und soll die nächste Stufe im Markt für Gewichtsreduktion einläuten.
Berichten zufolge plant das Unternehmen, den Zulassungsantrag bei der US-Gesundheitsbehörde FDA Anfang 2027 einzureichen. Eine Markteinführung in den USA könnte frühestens Ende 2027 erfolgen, während für Großbritannien das Jahr 2028 ins Auge gefasst wird.
Der enorme Erfolg der aktuellen Präparate Mounjaro und Zepbound spiegelte sich zuletzt in den Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026 wider, in dem der Umsatz um 48 Prozent stieg. Gleichzeitig kämpft der Konzern jedoch mit den Schattenseiten dieses Booms. Eli Lilly meldete bereits über 14.000 illegale Angebote für gefälschte Medikamente, was die britische Arzneimittelbehörde MHRA zu verstärkten Beschlagnahmungen veranlasste.
Analysteneinschätzung und Marktpositionierung
Trotz des operativen Wachstums zeigen sich einige Marktbeobachter bei der aktuellen Bewertung vorsichtiger. Analyst Oliver Rodzianko von Invictus Origin stuft den Wert derzeit als neutral ein.
Zwar wird der Gesundheitssektor im Vergleich zu anderen Branchen wie der Halbleiterindustrie als attraktiv bewertet, doch deuten Kennzahlen wie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 31 auf ein begrenztes kurzfristiges Aufwärtspotenzial hin. Rodzianko verwies in diesem Zusammenhang auf das Risiko einer Bewertungskompression.
An der Börse zeigte sich zuletzt eine leichte Abkühlung. Das Papier schloss am Freitag bei 986,00 €. Damit notiert der Anteilsschein aktuell etwa 11 % unter seinem 52-Wochen-Hoch. Dennoch bleibt die langfristige Performance solide: Seit Jahresbeginn konnte die Aktie einen Zuwachs von 7,4 % verzeichnen, gestützt durch die starke Marktstellung im Bereich der GLP-1-Rezeptor-Agonisten und die anhaltend hohe Nachfrage nach Stoffwechsel-Therapeutika.
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