Ein Pharmariese, ein Nasenspray gegen schwere Depressionen und ein Übernahmegerücht, das die halbe Branche in Bewegung versetzt: Eli Lilly steht offenbar kurz davor, in die psychedelische Medizin einzusteigen. Der Konzern verhandelt Berichten zufolge über eine Übernahme von AtaiBeckley, einem Spezialisten für psychedelika-basierte Therapien gegen psychische Erkrankungen.
Eine Einigung könnte noch in dieser Woche bekanntgegeben werden. Offiziell bestätigt ist davon bislang nichts — Lilly lehnte eine Stellungnahme ab, bei AtaiBeckley war außerhalb der Handelszeiten zunächst niemand erreichbar.
Der Markt reagiert schon jetzt
Die Aktie von Atai Life Sciences, der Mutter von AtaiBeckley, schoss im vorbörslichen Handel um rund 53 Prozent nach oben. Die Eli-Lilly-Aktie selbst bewegte sich dagegen nur moderat — ein Übernahmeziel dieser Größenordnung verändert die Bilanzsumme des US-Pharmakonzerns kaum spürbar.
Der Ausschlag zeigt sich stattdessen in der zweiten Reihe der Branche. GH Research legte vorbörslich um 12 Prozent zu. RBC-Capital-Markets-Analyst Brian Abrahams sieht in dem Unternehmen den naheliegendsten Profiteur eines möglichen Deals, da dessen Wirkstoff GH001 dem Atai-Kandidaten BPL-003 in Wirkmechanismus und Zielindikation stark ähnelt.
Warum Lilly in die Psychiatrie will
BMO-Capital-Markets-Analyst Evan David Seigerman ordnet den möglichen Schritt strategisch ein: Eli Lilly habe seine Geschäftsentwicklungsaktivitäten zuletzt über mehrere Therapiefelder hinweg spürbar ausgeweitet. AtaiBeckley würde dem Konzern eine differenzierte Position in der Psychiatrie verschaffen und die Diversifikation weg vom bisherigen Schwerpunkt auf kardiometabolische Erkrankungen weiter vorantreiben.
Konkret im Blick hätten die Analysten dabei zwei Wirkstoffkandidaten aus der Atai-Pipeline: VLS-01 gegen therapieresistente Depressionen und EMP-01 gegen soziale Angststörung. Beide befinden sich in fortgeschrittenen Entwicklungsphasen und könnten Lilly Zugang zu einem bislang wenig erschlossenen Marktsegment verschaffen.
Ob aus den Gesprächen tatsächlich eine Transaktion wird, ist offen. Sollte Lilly noch in dieser Woche Vollzug melden, dürfte das Interesse an psychedelischen Therapieansätzen in der gesamten Branche einen weiteren Schub bekommen.
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