Großbritannien macht den Anfang: Eli Lillys Abnehmpille Foundayo hat dort die erste europäische Zulassung erhalten. Damit tritt der Wirkstoff Orforglipron direkt gegen Novo Nordisks Wegovy-Pille an, die erst vor zwei Monaten auf dem britischen Markt gestartet ist.
Die britische Arzneimittelbehörde MHRA genehmigte Foundayo sowohl zur Gewichtskontrolle als auch zur Behandlung von Typ-2-Diabetes. Damit ist Großbritannien das erste Land in Europa, das beide Indikationen gleichzeitig freigegeben hat. Über das nationale Gesundheitssystem NHS wird das Medikament vorerst nicht erhältlich sein — dafür muss zunächst eine Kosten-Nutzen-Bewertung durch das britische Institut NICE erfolgen.
Schneller Marktstart über Privatrezepte
Lilly will diesen Umweg nicht abwarten. Der Verkauf soll noch im August über private Verschreibungen anlaufen. Beim Preis positioniert sich das Unternehmen unterhalb des eigenen Injektionsmittels Mounjaro, das im britischen Privatmarkt mit rund 330 bis 399 Britischen Pfund pro Monatspackung gelistet ist. Konkrete Zahlen zu Foundayo nannte ein Lilly-Sprecher bislang nicht.
Der zentrale Vorteil gegenüber der Konkurrenz liegt im Detail der Einnahme. Während Novo Nordisks Wegovy-Pille auf nüchternen Magen mit Wasser eingenommen werden muss und danach eine 30-minütige Wartezeit vor der nächsten Mahlzeit oder Medikamenteneinnahme erfordert, kommt Foundayo als kleines Molekül ohne solche Einschränkungen aus.
In den USA tut sich Foundayo bislang schwerer als erhofft. Nach dem Start im April kam das Präparat im zweiten Quartal auf 98 Millionen Dollar Umsatz — deutlich weniger als die Wegovy-Pille von Novo Nordisk, die auf denselben Wirkstoff Semaglutid setzt wie die etablierten Injektionsversionen des dänischen Rivalen. Lilly-Chef David Ricks erklärte den langsameren Anlauf zuletzt mit der Notwendigkeit, ein komplett neues Medikament erst bei Ärzten und Patienten zu etablieren.
Beide Unternehmen betonen unterdessen, dass der Pillenmarkt insgesamt wächst und nicht nur bisherige Spritzen-Nutzer abzieht. Novo-Chef Mike Doustdar sprach jüngst sogar von einem möglichen künftigen Markt, der größtenteils aus Tabletten bestehen könnte.
Parallel zum Zulassungserfolg meldete Lilly einen weiteren strategischen Schritt: Der Softwareanbieter Veeva Systems gab bekannt, dass sich Lilly weltweit für dessen Vault-CRM-System entschieden hat — ein Baustein, um den Vertrieb der eigenen Medikamente über KI-gestützte Systeme zu steuern.
Die EU-Zulassung für Foundayo steht noch aus, während Novo Nordisks Wegovy-Pille dort bereits eine positive Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA erhalten hat. Die finale Entscheidung der EU-Kommission bleibt offen. Für Lilly zählt nun jeder Monat Vorsprung im Wettlauf um den europäischen Pillenmarkt — Großbritannien ist dabei erst der Auftakt.
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