Eli Lilly nutzt seine Finanzkraft aus dem GLP-1-Boom für einen deutlichen Vorstoß in Impfstoffe. Der Konzern übernimmt gleich drei Entwickler und rückt damit tiefer in die Vorbeugung schwerer Infektionen vor. Das Signal ist klar: Lilly will breiter werden als Adipositas und Diabetes.
Die Aktie schloss am Freitag bei 948,40 Euro und liegt auf Wochensicht 2,70 Prozent vorn. Über zwölf Monate steht ein Plus von 45,28 Prozent.
Milliardenschwere Zukäufe
Lilly vereinbarte den Kauf von Curevo, LimmaTech Biologics und Vaccine Company. Zusammen können die Transaktionen bis zu 3,83 Milliarden Dollar kosten. Sie beinhalten Vorabzahlungen sowie Meilensteinzahlungen, die an klinische und regulatorische Fortschritte geknüpft sind.
Der größte Deal betrifft Vaccine Company mit bis zu 1,55 Milliarden Dollar. Curevo folgt mit bis zu 1,5 Milliarden Dollar. Für LimmaTech Biologics liegt der mögliche Kaufpreis bei 780 Millionen Dollar.
Mit den neuen Vereinbarungen erreicht Lilly in diesem Jahr bereits zehn Transaktionen. Das zeigt, wie stark das Management derzeit externe Forschung einkauft. Die Richtung ist dabei auffällig klar: weg von reiner Behandlung, hin zur Prävention.
Was die drei Firmen bringen
Curevo bringt einen experimentellen Gürtelrose-Impfstoff mit. In einer Phase-2-Studie erreichte der Kandidat eine ähnliche Immunantwort wie der Standardimpfstoff. Nebenwirkungen wie starke Müdigkeit, Schüttelfrost und Schmerzen an der Einstichstelle gingen aber um mehr als die Hälfte zurück.
Das ist medizinisch relevant. Gürtelrose steht mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko in Verbindung. Impfungen gegen Gürtelrose werden außerdem mit einem niedrigeren Demenzrisiko in Verbindung gebracht. Ein besser verträglicher Impfstoff könnte die Akzeptanz erhöhen.
LimmaTech Biologics konzentriert sich auf bakterielle Infektionen. Der Leitkandidat LTB-SA7 befindet sich in Phase 1 und soll vor Staphylococcus aureus schützen. Dieser Erreger zählt zu den wichtigen Ursachen für Infektionen nach Operationen.
Dazu kommen Programme gegen Neisseria gonorrhoeae und Chlamydia trachomatis. Beide Erreger können langfristige Folgeschäden verursachen, etwa Unfruchtbarkeit. Genau hier passt der Ansatz zur breiteren Präventionsstrategie.
Vaccine Company bringt einen präklinischen Kandidaten gegen das Epstein-Barr-Virus ein. Dieser Erreger wird mit Multipler Sklerose und mehreren Krebsarten in Verbindung gebracht. Die Firma gewann 2024 eine Förderung der US-Gesundheitsbehörde ARPA-H.
Prävention statt Nachbehandlung
Lillys Forschungs- und Produktchef beschreibt den Schritt als bewusste Strategie. Krankheiten sollen an der Quelle verhindert werden, statt später ihre Folgen zu behandeln. Dahinter steht die Annahme, dass häufige Infektionen Jahre später schwere Erkrankungen auslösen können.
Bei bakteriellen Infektionen kommt ein zweiter Treiber hinzu. Resistenzen machen viele Therapien schwieriger. Wenn Antibiotika an Wirkung verlieren, gewinnen Impfstoffe als Schutz vor der Infektion an Wert.
Finanziell kann Lilly diese Strategie derzeit stemmen. Zum Jahresstart stieg der Umsatz um 56 Prozent auf 19,8 Milliarden Dollar. Treiber war vor allem das starke Volumenwachstum in den Adipositas- und Diabetes-Franchises.
Der Pharmasektor kauft 2026 wieder aktiver zu. Viele Konzerne suchen neue Erlösquellen, weil ältere Blockbuster ihre Patentexklusivität verlieren. Lilly wirkt in diesem Umfeld besonders offensiv, weil die Cashflows aus den aktuellen Wachstumstreibern hoch sind.
Nächster Termin im Blick
Am 9. Juni tritt Kenneth Custer auf der Goldman Sachs Global Healthcare Conference auf. Der Manager leitet Lillys Geschäft für kardiometabolische Gesundheit. Dort kann der Konzern erklären, wie die Impfstoffkäufe in die Pipeline passen und wie weit der Ausbau über GLP-1 hinaus reichen soll.
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