Fünf Anläufe hat der US-Investor Castlelake gebraucht, jetzt hat er sein Ziel erreicht. easyJet stimmte am Wochenende einem nachgebesserten Übernahmeangebot grundsätzlich zu — und die Aktie reagierte am Montag mit einem Kurssprung von gut zehn Prozent auf 615 Pence, dem höchsten Stand seit fast viereinhalb Jahren.
Vom Nein zum Ja in zwei Monaten
Castlelake war Ende Mai erstmals an die britische Billigfluglinie herangetreten. Vier Offerten zwischen 5,60 und 6,50 Pfund je Aktie lehnte easyJet als nicht werthaltig genug ab. Erst das fünfte Gebot über 6,90 Pfund je Aktie überzeugte den Vorstand — macht in Summe rund 5,2 Milliarden Pfund, umgerechnet knapp 6,1 Milliarden Euro. Bindend ist das Angebot damit noch nicht: Castlelake hat bis zum 5. August Zeit, eine verbindliche Offerte vorzulegen. Eine Übernahme kann bis dahin nach Angaben von easyJet noch scheitern.
Da Castlelake als US-Unternehmen keine Mehrheitskontrolle über eine europäische Fluggesellschaft übernehmen darf, braucht der Investor Partner. Mit an Bord sind die Luftfahrtmanager Peter Bellew — einst selbst bei easyJet, bevor er 2022 überraschend das Unternehmen verließ — und Mark Breen sowie der Vermögensverwalter Brookfield Asset Management.
Offene Fragen und ein skeptischer Großaktionär
JPMorgan-Analyst Harry Gowers verweist auf zwei entscheidende Unbekannte: Ob die vereinbarte Eigentümer- und Kontrollstruktur die Unternehmensgremien und die Wettbewerbsbehörden überzeugt, und ob noch ein Gegengebot auftaucht. Als mögliche Interessenten an Teilen des easyJet-Streckennetzes gelten Air France-KLM, IAG und Lufthansa — Letztere hätte laut Einschätzungen die besten Karten, ist aber derzeit mit anderen Übernahmen ausgelastet.
Bernstein-Analyst Alex Irving hält es für wahrscheinlich, dass Castlelake das Unternehmen in Flugzeugflotte, Start- und Landerechte sowie das Urlaubsgeschäft aufspaltet. Das würde die Kapazitäten in Europa weiter schrumpfen lassen — ein Effekt, von dem Billig-Konkurrenten und der Urlaubsflug-Spezialist Jet2 profitieren könnten.
Größter Anteilseigner bleibt die Gründerfamilie Haji-Ioannou mit 15,3 Prozent, deren Haltung zum Deal bislang zurückhaltend ausfällt. Belastend kommt hinzu, dass easyJet zuletzt wegen der durch den Iran-Konflikt gestiegenen Kerosinpreise einen Verlust im ersten Halbjahr sowie rückläufige Sommerbuchungen meldete — Faktoren, die den Verkaufsdruck aus Unternehmenssicht zusätzlich erhöht haben dürften.
Bis zum 5. August entscheidet sich, ob aus der Grundsatzeinigung ein bindendes Angebot wird. Bis dahin bleibt die Aktie auf höheren Niveaus, aber mit der Unsicherheit über Regulierung und mögliche Gegenofferten belastet.
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