Ein enttäuschender Verordnungsentwurf der Bundesnetzagentur hat die Aktie von E.ON am heutigen Freitag auf den tiefsten Stand seit Januar gedrückt. Damit überschattet die künftige Regulierung der Gasnetze die eigentlich soliden Geschäftszahlen für das erste Halbjahr, die das Essener Unternehmen erst gestern vorgelegt hatte. Während der Konzern operativ auf Kurs bleibt, sorgt der Rahmen für die kommenden Jahre für erhebliche Verkäufe.
Entwurf der Bundesnetzagentur belastet den Kurs
Die Bundesnetzagentur sieht in ihrem Entwurf für die Regulierungsperiode von 2028 bis 2032 eine pauschalierte Eigenkapitalverzinsung von 3,76 Prozent vor. Diese Marke liegt deutlich unter den Erwartungen des Marktes, da Analysten im Vorfeld mit Sätzen zwischen 4,5 und 5,5 Prozent gerechnet hatten. Die Aussicht auf eine geringere Verzinsung des eingesetzten Kapitals im Gasnetzgeschäft traf den Sektor empfindlich.
In der Folge rutschte das Papier am Vormittag im Tief bis auf 17,135 Euro ab. Aktuell notiert der Wert bei 17,48 Euro, was einem Tagesverlust von -4,9 Prozent entspricht. Mit dieser deutlichen Abwärtsbewegung fiel der Kurs zudem unter den gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage, der bei 17,89 Euro verläuft. Damit hat sich das kurzfristige Chartbild für den Energieriesen spürbar eingetrübt.
Stabile Ertragslage im ersten Halbjahr
Dabei lieferte der Energiekonzern am Donnerstag durchaus robuste Zahlen für die erste Jahreshälfte. E.ON erwirtschaftete in den ersten sechs Monaten ein bereinigtes EBITDA von 5,4 Milliarden Euro, während das bereinigte Nettoergebnis bei 1,9 Milliarden Euro lag. Im zweiten Quartal ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar um 2,6 Prozent auf 15,914 Milliarden Euro zurück, was auch das Nettoergebnis beeinflusste.
Dieses sank im Dreimonatszeitraum um 14,1 Prozent auf 378 Millionen Euro, während das Ergebnis je Aktie auf 0,145 Euro nachgab. Trotz dieser Rückgänge hielt der Vorstand an seiner Gesamtjahresprognose fest.
Das Management erwartet weiterhin ein EBITDA zwischen 9,4 und 9,6 Milliarden Euro sowie ein Nettoergebnis in einer Spanne von 2,7 bis 2,9 Milliarden Euro.
Verzögerte Investitionen und positive Analystenstimmen
Ein kritischer Blick richtet sich jedoch auf das Tempo der geplanten Infrastrukturmaßnahmen. In der ersten Jahreshälfte investierte der Konzern lediglich 3 Milliarden Euro, obwohl für das Gesamtjahr ein Volumen von 8,7 Milliarden Euro vorgesehen ist.
Parallel dazu stieg die wirtschaftliche Nettoverschuldung auf 46,7 Milliarden Euro an. Die Verzögerungen bei den Investitionen hängen teilweise mit externen Faktoren zusammen, die den Netzausbau bremsen.
Analysten bewerten die Lage dennoch differenziert. Die Experten von Barclays hoben ihr Kursziel für E.ON heute an und begründeten dies mit den soliden Halbjahresergebnissen sowie der erfolgreichen Integration von OVO Energy.
Während die operativen Ziele im Plan liegen, sorgt die regulatorische Unsicherheit für einen Stimmungsumschwung. Die Anleger bewerten die langfristige Ertragskraft im regulierten Geschäft nun neu, was den Kurs trotz der bestätigten Prognosen unter Druck setzt.
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