Die DWS-Aktie büßt am Mittwoch deutlich an Wert ein, nachdem der Vermögensverwalter seine Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt hat. Der Kurs fällt um 4,86 Prozent und rutscht damit unter die Marke von 69 Euro. Am Vortag hatte das Papier noch bei 72,00 Euro geschlossen – nur knapp unter dem erst am Dienstag markierten 52-Wochen-Hoch von 72,50 Euro. Der aktuelle Kurs liegt nun 5,52 Prozent unter diesem Rekordniveau.
Vorsteuergewinn sinkt trotz Rekord-AuM
Der Kern der Enttäuschung liegt in der Ertragslage. Der Vorsteuergewinn brach im zweiten Quartal um 19 Prozent auf 305 Millionen Euro ein, nach 377 Millionen Euro im ersten Quartal 2026. Gleichzeitig verschlechterte sich die Aufwand-Ertrag-Relation auf 60,5 Prozent – ein Wert, der über der vom Konzern selbst für das Gesamtjahr angepeilten Spanne von 55 bis 57 Prozent liegt.
Dabei hatte DWS operativ eigentlich Grund zur Freude. Für das erste Halbjahr 2026 meldete das Unternehmen Rekord-Nettomittelzuflüsse von insgesamt 35,8 Milliarden Euro. Das verwaltete Vermögen kletterte zum 30. Juni 2026 auf einen Höchststand von 1,19 Billionen Euro. Doch am Markt zählt derzeit offenbar mehr, was unten in der Gewinn- und Verlustrechnung ankommt, als was oben an frischem Kapital hereinströmt. Sinkende Gebühreneinnahmen und ein gestiegenes Kostenniveau haben die Rekordwerte beim Vermögen überlagert.
Analysten uneins nach den Zahlen
Die Reaktionen der Analysehäuser auf die Vorlage fallen entsprechend gespalten aus. Jefferies-Analyst Tom Mills beließ seine Einstufung auf „Hold“ und senkte das Kursziel nicht an, sondern hält an 51,00 Euro fest. Er verweist auf die Kombination aus geringeren Gebühren und höheren Kosten, die selbst die positiven Nettozuflüsse nicht ausgleichen könne.
Deutlich konstruktiver bewertet RBC Capital Markets die Lage. Analyst Ben Bathurst bestätigte seine Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 68,00 Euro und hob das über den Erwartungen liegende verwaltete Vermögen als positives Signal hervor. Zugleich räumte er ein, dass der Konzern die Gewinnprognosen verfehlt habe. Ein weiteres Institut erhöhte zwar sein Kursziel, blieb aber bei einer skeptischen Einstufung und begründete dies mit der aus seiner Sicht fehlenden Ertragsdynamik des Konzerns.
Strategische Baustellen und Ausblick
Trotz des Ergebnisrückgangs bestätigte der Vorstand die Guidance für das laufende Geschäftsjahr. Bis 2028 soll das Ergebnis je Aktie um 10 bis 15 Prozent wachsen, die Aufwand-Ertrag-Relation soll sich auf 55 bis 57 Prozent einpendeln. Für Anleger bleibt damit die Frage, wie schnell der Konzern die Kostenbasis in den Griff bekommt, während das verwaltete Vermögen weiter wächst.
Auf der Mandatsseite kann DWS punkten: Ein von ihr geführtes Konsortium erhielt vom Bund sowie den Ländern Hessen und Baden-Württemberg den Zuschlag für die Verwaltung eines Spezialfonds für Pensionsrücklagen mit einem Zielvolumen zwischen 3 und 6 Milliarden Euro. Auch personell hat sich zuletzt einiges bewegt: Seit Anfang Mai sitzt DWS-Chef Stefan Hoops zusätzlich im Vorstand der Deutschen Bank, während Vincenzo Vedda die alleinige Leitung der Investment Division der DWS übernommen hat. Die Hauptversammlung im Juni beschloss zudem eine Dividende von 3,00 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 und wählte Bas NieuweWeme neu in den Aufsichtsrat.
Charttechnisch bewegt sich die Aktie nach dem heutigen Rückschlag wieder näher an ihren 50-Tage-Durchschnitt von 64,76 Euro, bleibt aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 58,68 Euro. Der Kursrutsch dürfte die Debatte befeuern, ob die Rekordzuflüsse mittelfristig ausreichen, um die schwächere Profitabilität zu kompensieren – eine Antwort, die der für 3. August angekündigte Start der Prospektänderungen bei DB Advisors allein nicht liefern wird.
DWS-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue DWS-Analyse vom 29. Juli liefert die Antwort:
Die neusten DWS-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für DWS-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 29. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
