Wer 1.000 Euro aus dem Immobilienfonds Grundbesitz Europa abziehen will, bekommt künftig nur noch 100 Euro. Die DWS hat die Rücknahme drastisch eingeschränkt. Für Anleger heißt das: Der Großteil des Geldes bleibt vorerst gebunden.
Zehn Prozent statt voller Auszahlung
Rücknahmeaufträge für Grundbesitz Europa werden ab sofort nur noch zu zehn Prozent ausgeführt. Die Regel gilt auch rückwirkend für Verkaufsaufträge der vergangenen zwölf Monate, die bislang nicht bedient wurden. Den Rest der Anteile müssen Anleger behalten.
Die Maßnahme folgt auf Gerüchte der vergangenen Wochen, die das Unternehmen nun bestätigt hat. Betroffen ist ein Milliardenfonds, der als Massenprodukt für konservative Sparer gilt.
Börse bewertet deutlich unter Fondswert
Wie angespannt die Lage ist, zeigt der Kurs der Fondsanteile an der Börse. Grundbesitz Europa und Grundbesitz Global haben binnen weniger Monate jeweils rund die Hälfte ihres Wertes verloren. Zwischen Börsenkurs und dem von der Fondsgesellschaft veröffentlichten inneren Wert der Immobilien klafft inzwischen eine Lücke von rund 50 Prozent.
Das ist der entscheidende Punkt für alle, die schnell raus wollen. Der tägliche Verkauf funktioniert bei offenen Immobilienfonds nur noch über die Börse, und dort müssen Verkäufer hohe Abschläge hinnehmen.
Regulierung greift nur bei ruhigem Markt
Nach der Finanzkrise ab 2008 hatte der Gesetzgeber Schranken eingezogen. Anleger müssen Anteile mindestens 24 Monate halten und Verkäufe zwölf Monate im Voraus ankündigen. Damit sollen Fonds Zeit bekommen, Immobilien in Ruhe zu veräußern und Liquidität aufzubauen.
Die aktuellen Entwicklungen legen nahe, dass dieser Schutz bei Druck am Immobilienmarkt an Grenzen stößt. Offene Immobilienfonds sind seither eher „halboffen“.
Parallel dazu prüfen Anlegerschützer mögliche Schadensersatzansprüche. Ob solche Forderungen Erfolg haben, ist offen. Für die DWS bleibt entscheidend, ob die Lücke zwischen Börsenkurs und innerem Wert schrumpft, sobald der Fonds über Objektverkäufe Liquidität schafft.
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