Zwei der größten Namen der Wall Street haben sich in den vergangenen Tagen bei DroneShield eingekauft – mitten in einer Phase, in der der australische Anti-Drohnen-Spezialist seine Wachstumsprognose deutlich zurückgenommen hat. JPMorgan Chase meldete am 6. August in einer Pflichtmitteilung an die australische Börse, seine Beteiligung von 5,15 auf 6,68 Prozent aufgestockt zu haben und nun 61.703.608 Stammaktien zu halten. Nur einen Tag zuvor war Citigroup mit einem Anteil von 5,6853 Prozent, entsprechend 52.537.753 Aktien, erstmals als bedeutender Aktionär aufgetaucht – primär über Wertpapierleihe- und Handelsgeschäfte, wie aus der Meldung hervorgeht.
Prognosekürzung belastet trotz starkem Umsatzwachstum
Der Zeitpunkt der Zukäufe ist bemerkenswert, denn DroneShield hatte erst am 28. Juli seine Jahresprognose für 2026 gesenkt. Statt der bisherigen Markterwartung von rund 323 Millionen australischen Dollar rechnet das Unternehmen nun mit einem Umsatz zwischen 250 und 270 Millionen australischen Dollar. Das steht in auffälligem Kontrast zu den vorläufigen Zahlen für das erste Halbjahr: Der Umsatz kletterte dort im Jahresvergleich um 74 Prozent auf 125,8 Millionen australische Dollar. Medienberichten zufolge wurde zudem auf einen Margendruck verwiesen – die Rohertragsmarge sei im ersten Halbjahr um fünf Prozentpunkte auf 60 Prozent gesunken, bedingt durch den Verkaufsmix und Wertminderungen bei Rohmaterial. Ein automatisiertes Analysetool bezeichnete das Unternehmen dennoch als „finanziell solide“ positioniertes Wachstumsunternehmen.
Auftragsbuch und Produktpipeline bleiben gefüllt
Operativ liefert DroneShield weiterhin Substanz. Ende Juli sicherte sich das Unternehmen einen Auftrag über 23,2 Millionen australische Dollar von einem nicht näher genannten europäischen Militärkunden, vermittelt über den Wiederverkäufer Cobbs Belux BV. Es geht um fahrzeugmontierbare Systeme zur Drohnenabwehr; 21 Millionen australische Dollar davon sollen bereits im laufenden Geschäftsjahr als Umsatz verbucht werden. Nach eigenen Angaben entfällt rund die Hälfte der Vertriebspipeline für das erste Halbjahr auf Europa, getragen von NATO-Rahmenabkommen. Am gleichen Tag brachte DroneShield mit RfAI-3 die dritte Generation seiner Hochfrequenz-Erkennungstechnologie auf den Markt, die auch unbekannte Drohnensignaturen identifizieren kann. Die erste Hardware-Integration wird für das zweite Halbjahr erwartet. Zusätzliche Sichtbarkeit verschafft dem Unternehmen ein Auftritt gemeinsam mit dem Partner Defenture auf der Verteidigungsmesse MSPO 2026 – Ergebnis einer im Juni 2026 unterzeichneten Absichtserklärung für integrierte mobile Systeme gegen unbemannte Luftfahrzeuge.
Kurs erholt sich, Analysten bleiben gespalten
An der Börse hat die Aktie nach dem Prognoseschock zuletzt wieder Boden gewonnen. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 1,37 Euro, ein Plus von 4,07 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht summiert sich die Erholung auf 28,90 Prozent – ein Hinweis darauf, dass ein Teil der Verkaufswelle nach der Prognosekürzung inzwischen wieder aufgeholt wurde, auch wenn der Blick auf die vergangenen zwölf Monate weiterhin von deutlichen Verlusten geprägt ist. Am 29. Juli, noch vor der jüngsten Kurserholung, bestätigte Petra Capital seine Kaufempfehlung für DroneShield mit einem Kursziel von 2,45 australischen Dollar.
Die nächste wichtige Wegmarke folgt in gut zwei Wochen: Am 26. August will DroneShield die geprüften Halbjahreszahlen vorlegen, einen Tag später ist eine Telefonkonferenz mit Investoren angesetzt. Dort dürfte sich zeigen, ob die jüngsten Zukäufe von JPMorgan und Citigroup ein Vorgriff auf bessere Nachrichten waren – oder ob die gesenkte Prognose Bestand hat.
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