Ein Auftragsbuch auf Rekordniveau, ein Aktienkurs im freien Fall — bei DroneShield passt gerade nichts zusammen. Der australische Anti-Drohnen-Spezialist meldet für 2026 so viele feste Bestellungen wie nie zuvor. Trotzdem bleiben Leerverkäufer stur bei ihren Wetten gegen die Aktie.
Das Papier notiert bei 1,41 Euro, ein Minus von 0,25 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,19 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 30 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,65 Euro aus dem Oktober trennen DroneShield inzwischen mehr als 61 Prozent.
Leerverkäufer halten Wetten von 256 Millionen Dollar
12,19 Prozent aller DroneShield-Aktien sind aktuell leerverkauft. Das macht den Titel zu einem der am stärksten geshorteten Werte am australischen Markt. Insgesamt liegen die Short-Positionen bei umgerechnet 256 Millionen australischen Dollar.
Diese bearische Positionierung wirkt seltsam angesichts der Geschäftsentwicklung. Zum 26. Mai verbuchte DroneShield für 2026 bereits 161 Millionen australische Dollar an fest zugesagten Umsätzen — ein Plus von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein neuer Vertrag mit der US-Behörde Joint Interagency Task Force 401 über 24,9 Millionen australische Dollar hob den Wert für 2026 auf mindestens 171 Millionen australische Dollar. Das entspricht bereits 79 Prozent des gesamten Jahresumsatzes von 2025.
Zu viel Hardware, zu wenig wiederkehrender Umsatz
Die Kritiker setzen an anderer Stelle an: bei der Qualität des Umsatzes. 2025 stammten 91 Prozent der Erlöse aus Hardware-Verkäufen. Abonnements trugen nur 5 Prozent bei, Wartung und Service weitere 4 Prozent.
Auch im aktuellen Auftragsbestand für 2026 machen wiederkehrende Umsätze bislang nur 13 Prozent aus. Das Management hat mehrfach angekündigt, den Anteil von Software und Abonnements auszubauen. CEO Angus Bean betont, Kunden wollten Systeme, die sich schnell einsetzen lassen und den Luftraum zuverlässig sichern. Ray Fitzgerald, Präsident eines US-Verteidigungsunternehmens, bringt es ähnlich auf den Punkt: Nutzer fordern einsatzfähige Anti-Drohnen-Technik im großen Maßstab.
Milliardenschwere Deals in der Warteschleife
Der stärkste Trumpf der Optimisten liegt in der Pipeline unterschriftsreifer Großaufträge. DroneShield verweist auf 13 Deals mit einem Volumen von jeweils über 20 Millionen australischen Dollar. Der größte davon könnte bis zu 730 Millionen australische Dollar wert sein, ein Update dazu soll in der zweiten Jahreshälfte kommen.
Solange keiner dieser Verträge unterschrieben ist, bleibt es bei Potenzial statt Substanz. Landet DroneShield auch nur einen Teil des Großauftrags, würde das die Bewertung relativ zu künftigen Umsätzen deutlich drücken. Jede weitere Verzögerung dagegen liefert den Leerverkäufern neue Munition.
Konkurrenz kommt von Electro Optic Systems. Das Unternehmen sicherte sich am 8. Juli einen Auftrag der australischen Regierung über 5,7 Millionen australische Dollar für sein Slinger-System R400. Am Montag lag die Marktkapitalisierung von Electro Optic Systems bei rund 1,78 Milliarden australischen Dollar — weiterhin unter DroneShield. Die Technologien unterscheiden sich deutlich: DroneShield setzt auf Funkfrequenz-Erkennung, elektronische Kampfführung und Befehlssoftware. Slinger kombiniert dagegen ein Maschinengewehr mit lasergesteuerten Raketen.
Unruhiges Marktumfeld
Der Handelsauftakt am Dienstag fand in einem nervösen Gesamtmarkt statt. Am Montag hatten Sorgen über einen möglichen Konflikt zwischen den USA und dem Iran nahe der Straße von Hormus die US-Börsen belastet. Der S&P 500 verlor 0,8 Prozent, der Nasdaq 100 sackte um 1,9 Prozent ab, der Dow gab 0,3 Prozent nach.
Charttechnisch bleibt DroneShield angeschlagen. Der Kurs liegt fast 20 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,75 Euro und rund 28,5 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,97 Euro. Der RSI von 37,8 signalisiert anhaltenden Verkaufsdruck, ohne dass die Aktie bereits als überverkauft gilt.
Ein unterschriebener Großauftrag aus der Pipeline der 13 Deals könnte die Dynamik schnell drehen. Ein solcher Vertragsabschluss würde Leerverkäufer unter Druck setzen, ihre Positionen einzudecken — mit dem Potenzial für eine kräftige Kursbewegung in beide Richtungen.
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