Drohnen über Leipzig zeigen warum Aerovironment jetzt ins Depot gehört

Nach Drohnenvorfall in Leipzig: Aerovironment profitiert von Aufträgen für Laserwaffen und Abwehrsysteme. Analysten sehen Wachstumspotenzial.

Auf einen Blick:
  • Drohnenangriff auf Leipzigs Flughafen
  • Laserwaffen-Auftrag des Pentagons
  • Aktie erholt sich nach Kursverlusten
  • Wachstum durch Rüstungsausgaben erwartet

Was in der Nacht zum 5. August am Flughafen Leipzig/Halle geschah, hätte in einer Katastrophe enden können.

Ein Busfahrer entdeckte auf der Südbahn eine Drohne – bestückt mit professionellem Sprengstoff und einem Zünder.

Nur weil die Verbindung zwischen Zünder und Sprengladung offenbar beschädigt war, blieb die Detonation aus. Die Drohne war nach neuesten Erkenntnissen direkt auf ein ukrainisches Frachtflugzeug des Typen Antonow zugeflogen.

Wenige Kilometer entfernt kollidierte kurz darauf eine DHL-Frachtmaschine, die wegen der Flughafensperrung durchstarten musste, in rund 400 Metern Höhe mit einem weiteren unbekannten Flugobjekt. Bundesinnenminister Dobrindt sprach von einer „neuen Gefahrenqualität“ und einem „hybriden Anschlagsszenario“ – und schloss ausdrücklich fremde Mächte als Drahtzieher nicht aus. Inzwischen ermittelt der Generalbundesanwalt.

Aerovironment: Der einzige Anbieter für beide Seiten der Front

Der Vorfall führt uns zweierlei vor Augen. Erstens: Drohnen sind längst nicht mehr nur eine Waffe auf den Schlachtfeldern der Ukraine, sondern auch für unsere kritische Infrastruktur mitten in Deutschland eine Bedrohung. Die Deutsche Flugsicherung meldete für das erste Halbjahr 166 Drohnen-Sichtungen an den 15 internationalen Flughäfen, nach rund 100 im Vorjahreszeitraum. Zweitens: Wer diese Bedrohung abwehren will, braucht Technologie, die es heute erst von einer Handvoll Anbietern gibt; einer davon ist der US-Drohnen-Spezialist Aerovironment.

Mit den Switchblade-Kamikazedrohnen gehört Aerovironment zu den wichtigsten Ausrüstern westlicher Armeen, mit seiner Abwehrsparte – massiv verstärkt durch die 4,1 Mrd. Dollar schwere Übernahme von BlueHalo im vergangenen Jahr – deckt er zugleich die Verteidigungsseite ab, die das Aufspüren, Stören und Zerstören feindlicher Drohnen vorsieht.

Dies versetzt Aerovironment in eine einzigartige Position, denn kaum ein anderes westliches Unternehmen wird auf beiden Seiten der Front gebraucht. Für die US-Amerikaner ein schöner Vorteil gegenüber der Konkurrenz, denn je einheitlicher das Arsenal ist, desto einfacher ist auch der Einsatz. Vermutlich ist dies ein wichtiger Grund, warum die Perspektiven so günstig sind – die Aufträge der staatlichen Kunden kommen inzwischen fast schon im Wochentakt.

Anfang Juli erhielt Aerovironment vom Pentagon einen Rahmenvertrag über 500 Mio. Dollar für kommerzielle Drohnenabwehr-Technologie mit einer Laufzeit bis 2029. Auf der Luftfahrtmesse in Farnborough wurde kurze Zeit später bekannt, dass Griechenland und Großbritannien Switchblade-Systeme beschaffen – Griechenland allein hat 350 Systeme der neuesten Generation angefragt. Bereits im Februar hatte die US-Armee zudem für 186 Mio. Dollar die nächste Switchblade-Generation geordert, erstmals inklusive einer panzerbrechenden Variante.

AeroVironment Aktie Chart

Laserwaffen-Auftrag der US-Army als Vorbote weiterer Aufträge?

Der eigentliche Paukenschlag folgte jedoch am vergangenen Freitag: Die US-Armee kauft für mindestens 400 Mio. Dollar Laserwaffen von Aerovironment. Dutzende Systeme des Typs Locust sollen geliefert werden – und dieser Auftrag hat historische Dimension, denn es handelt sich um den ersten Produktionsvertrag des Pentagons für eine Laserwaffe zur Drohnenabwehr überhaupt. Jahrzehntelang galten Laserwaffen als Science-Fiction aus der Star Wars-Reihe, nun verlassen sie die Filmleinwand und gehen in die Serienfertigung.

Die Funktionsweise und Vorteile der Laserwaffe sind dabei wie im Film leicht verständlich: Das System verfolgt anfliegende Drohnen (KI-gestützt) und zerstört sie mit einem Hochenergielaser – lautlos, mit Lichtgeschwindigkeit und zu Kosten von wenigen Dollar pro Schuss. Der Preis ist dabei für die Kunden das Interessanteste. Während eine Abwehrrakete schnell mehrere Hunderttausend Dollar kostet, um eine Drohne im Wert von wenigen Tausend Dollar vom Himmel zu holen, kostet der Hochenergielaser-Abschuss fast nichts. Noch vor wenigen Jahren war die Kostenrechnung genau anders rum und ging zugunsten des Angreifers aus – Laserwaffen drehen sie erstmals um. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass auf diesen ersten Serienauftrag weitere folgen werden, auch – oder gerade – aus Europa, wo auf dem Nato-Gipfel die Drohnenabwehr als „strategische Lücke“ identifiziert wurde.

AeroVironment Aktie Chart

Aktie reagiert mit Aufschlägen – bleibt aber weiterhin aussichtsreich

Die Börse hat diesen Auftragsgewinn und einige andere kleinere Aufträge dazu genutzt, um die AeroVironment-Aktie in den vergangenen Wochen rund 30% höher zu schicken. Seit Jahresbeginn steht allerdings noch immer ein Minus von rund 20% zu Buche, ein schwaches Defense- und Drohnensentiment ging auch an Aerovironment nicht spurlos vorbei. Nach der Kursrally des vergangenen Jahres hatten zudem Gewinnmitnahmen und die Verwässerung durch die BlueHalo-Übernahme die Aktie massiv unter Druck gesetzt. Operativ läuft es zwar rund – mit 40% Umsatzwachstum im jüngsten Quartal – doch der Drohnenspezialist war im bisherigen Jahresverlauf 2026 an der Börse „out“. Dass es jetzt endlich wieder bergauf geht, lässt hoffen, dass der ungerechtfertigte Bann der Aktie gebrochen ist.

Die NATO-Staaten rüsten auf, Europa muss seine Flughäfen, Kraftwerke und Häfen gegen Drohnen schützen, und auf den Schlachtfeldern dieser Welt hat sich die Drohne längst als das dominierende Waffensystem etabliert. In der Ukraine gehen inzwischen mehr Verluste auf Drohnen zurück als auf jede andere Waffengattung. Milliardenschwere Beschaffungsprogramme auf beiden Seiten des Atlantiks sind die logische Folge, und Aerovironment sitzt mit seinem Portfolio aus Angriffsdrohnen und Abwehrsystemen an der Quelle gleich zweier Wachstumsmärkte.

Die Militärgeschichte lehrt uns: Wer Umbrüche früh erkennt, gewinnt. Vor gut 100 Jahren verdrängte der Panzer die Kavallerie – wer damals noch auf Pferde setzte, hatte den Krieg der Zukunft schon verloren. Heute vollzieht sich der nächste Umbruch, nur schneller: Die Drohne verdrängt den Panzer. In den kommenden beiden Geschäftsjahren wird laut Analystenkonsens mit jeweils rund 20% Wachstum gerechnet, das dürfte die Aktie anschieben. Wer damals auf Panzer statt Kavallerie gesetzt hätte, sollte heute auf Drohnen statt Panzer setzen.

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