Der britische Spirituosenkonzern Diageo leitet unter seinem neuen CEO Dave Lewis eine radikale strategische Neuausrichtung ein. Nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2026, das von einem deutlichen Gewinnrückgang und einer drastischen Dividendenkürzung geprägt war, setzt das Management nun auf ein umfassendes Sparprogramm. Ziel ist es, die Kostenstruktur des Unternehmens deutlich zu verschlanken und die operative Marge in den kommenden Jahren zu stabilisieren.
Fokus auf Kosteneffizienz und Portfolio-Umbau
Im abgelaufenen Fiskaljahr 2026, das am 30. Juni endete, verzeichnete Diageo einen Nettoumsatz von 19,6 Milliarden US-Dollar, was einem organischen Rückgang von 2 % entspricht. Besonders schwer wog der Einbruch beim operativen Gewinn, der nach Sonderposten um 27,2 % auf 3,2 Milliarden US-Dollar sank.
Als Reaktion darauf kündigte Dave Lewis Kosteneinsparungen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar über die nächsten drei Jahre an. Davon sollen rund 850 Millionen US-Dollar im operativen Modell und 150 Millionen US-Dollar in der Lieferkette realisiert werden.
Diese Maßnahmen sind jedoch mit erheblichen Vorabkosten verbunden. Das Unternehmen veranschlagt für das Restrukturierungsprogramm einmalige Ausgaben von rund 1,2 Milliarden US-Dollar. Parallel dazu bereinigt Diageo sein Portfolio: Der Konzern veräußerte zuletzt seine italienischen Aktivitäten (Diageo Operations Italy) für etwa 100 Millionen Euro an die NewPrinces SpA.
Zudem steht der Verkauf der 65-prozentigen Beteiligung an der ostafrikanischen EABL an die Asahi Group für über 2,3 Milliarden US-Dollar kurz vor dem Abschluss, wobei kenianische Behörden zuletzt noch Schutzmaßnahmen für lokale Zulieferer forderten.
Regionale Schwäche und rechtlicher Druck in Indien
Besonders die Performance in wichtigen Kernmärkten belastete das Ergebnis. In Nordamerika sank der organische Nettoumsatz um 8,4 %. Noch deutlicher war der Rückgang in Greater China, wo die Erlöse organisch um 34,9 % einbrachen. Hier machten dem Konzern vor allem schwache Verkäufe bei der Baijiu-Tochter Sichuan Swellfun zu schaffen. Auch Abschreibungen auf Marken wie Don Papa in Höhe von 287 Millionen US-Dollar drückten auf die Bilanz.
Zusätzlich sieht sich Diageo mit regulatorischen Hürden in Indien konfrontiert, einem Markt, der jährlich rund 3 Milliarden US-Dollar zum Konzernumsatz beiträgt. Indische Behörden beschlagnahmten zuletzt etwa 18.000 Kisten mit Getränken der Marken Smirnoff und VAT 69, da Kennzeichnungen für recyceltes Plastik auf den Verpackungen fehlten.
Zudem wehrt sich Diageo India (United Spirits) vor dem Bombay High Court gegen ein Verbot einer seiner Rum-Marken, das laut Unternehmen ohne ausreichende Rechtsgrundlage ausgesprochen wurde.
Analysten zwischen Zuversicht und Abwarten
Trotz der operativen Schwierigkeiten reagierte der Kapitalmarkt zuletzt mit einer Stabilisierung auf die Ankündigungen des Managements. Die Entscheidung, die Dividende für das Gesamtjahr auf 50 Cent mehr als zu halbieren, wird von Investoren als notwendiger Schritt zur Schuldensenkung gewertet.
Aktuell notiert die Aktie bei 20,39 €, womit sich der Wert bereits deutlich von seinem 52-Wochen-Tief bei 15,60 € erholt hat. Das Papier bewegt sich derzeit etwa 11,24 % über dem 50-Tage-Durchschnitt.
Unter den Analysten herrscht ein geteiltes Bild. Die Experten von Jefferies hoben ihr Kursziel zuletzt auf 2.200 Pence an und sprachen eine Kaufempfehlung aus. Sie verwiesen dabei auf das Potenzial der Kosteneinsparungen und prognostizieren für das Jahr 2027 ein deutliches Gewinnwachstum.
Vorsichtiger zeigt sich hingegen die UBS, die ihre neutrale Einschätzung mit einem Kursziel von 1.600 Pence beibehielt. Das Unternehmen selbst rechnet für das Geschäftsjahr 2027 zunächst mit einem flachen organischen Umsatzwachstum, während die volle Wirkung der Effizienzprogramme erst in den Folgejahren erwartet wird.
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