Analysten loben Ertragskraft im Express-Geschäft
Das Analysehaus RBC hat die Einstufung für DHL Group mit „Outperform“ und einem Kursziel von 67 Euro aufgenommen. Analyst Ruairi Cullinane begründet den optimistischen Blick vor allem mit der anhaltenden Wachstumsdynamik in der Express-Sparte. Am gestrigen Donnerstag legte die Aktie um 1,9 Prozent zu und beendete den Handel bei 57,78 Euro.
Der Express-Bereich hat sich in den vergangenen Jahren zum zentralen Ertragspfeiler des Bonner Logistikkonzerns gewandelt. Die weltweite Präsenz federt strukturelle Rückgänge im traditionellen Briefverkehr ab und stärkt das operative Profil auf internationalen Routen.
Laut RBC steuert die Express-Sparte mittlerweile mehr als 55 Prozent des gesamten operativen Konzerngewinns bei. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Analyst Cullinane ein operatives Ergebnis von rund 7 Milliarden Euro, womit er die eigene Zielmarke des Managements übertrifft. Auf lange Sicht liegen die Gewinnerwartungen der Bank für das Jahr 2030 um 8 Prozent über dem Marktkonsens.
Starke Marktposition und Branchenvergleich
Die Zuversicht stützt sich vor allem auf die gewachsene Präsenz im internationalen Frachtverkehr. Im zeitdefinierten Expressgeschäft nähert sich DHL global der Schwelle zur absoluten Marktführerschaft. Vor allem in den Kernregionen Europa, Asien sowie Nahost und Afrika dominiert der Konzern das Geschäft mit Anteilen von über der Hälfte des Marktes.
Gleichzeitig verweist die Analyse auf einen Bewertungsabschlag gegenüber der Konkurrenz. Mit einem Bewertungsmultiplikator von knapp 7 auf Basis des erwarteten operativen Ergebnisses für 2027 handele das Papier günstiger als die US-Rivalen FedEx und UPS mit Werten von rund 8. Der weltweite Branchenschnitt der Spediteure liege sogar bei etwa 12.
Trotz der optimistischen Einschätzung für das Frachtgeschäft bleiben konjunkturelle Risiken bestehen. Mögliche Dämpfer für den Welthandel, Wechselkursschwankungen und geopolitische Spannungen können das Volumen belasten. Auf dem Heimatmarkt steht zudem der strukturelle Rückgang klassischer Sendungen im Fokus.
Regionale Konkurrenten formieren Allianz
Dort formiert sich neuer Wettbewerb für das traditionelle Postgeschäft. Sechs regionale Briefdienste – darunter Citipost und Pin AG – gründeten am gestrigen Donnerstag die Deutschlandversand GmbH & Co. KG mit Sitz in Hannover. Das Gemeinschaftsunternehmen übernimmt den insolventen Dienstleister dvs sowie den regionalen Anbieter Xendis. Laut Bundesnetzagentur entfallen derzeit 87 Prozent des deutschen Briefmarktumsatzes auf die Deutsche Post.
Das neue Bündnis zielt darauf ab, Großkunden bundesweit aus einer Hand zu bedienen und bisher getrennte Zustellsysteme zusammenzuführen. Für die Deutsche Post bedeutet der Vorstoß zwar einen verstärkten Wettbewerb um Unternehmenskunden im Inland. Angesichts der dominierenden Ertragskraft des globalen Express-Netzes bleibt das traditionelle Briefgeschäft für das Gesamtergebnis des Konzerns jedoch zweitrangig.
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