Die DHL Group lieferte ein Quartal ab, das auf den ersten Blick nach reiner Freude klingt: kräftig steigende Gewinne, ein aufgestocktes Aktienrückkaufprogramm, bestätigte Ziele. Und doch verlor die Aktie am Tag der Zahlen deutlich. Ein gutes Beispiel dafür, dass an der Börse nicht die absolute Leistung zählt, sondern die Leistung im Verhältnis zu den Erwartungen.
Gewinne wachsen schneller als der Umsatz
Der Bonner Logistikkonzern verdiente im zweiten Quartal nach Steuern und Dritten 1,01 Milliarden Euro, nach 815 Millionen ein Jahr zuvor. Je Aktie kletterte der unverwässerte Gewinn von 0,72 auf 0,91 Euro. Der operative Gewinn EBIT legte um 30 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu, die entsprechende Marge verbesserte sich von 7,2 auf 8,3 Prozent.
Der Umsatz stieg dagegen vergleichsweise moderat auf 22,37 Milliarden Euro nach 19,83 Milliarden. Getragen wurde das Wachstum vom höheren transportierten Sendungsgewicht bei DHL Express, von Kapazitätsengpässen im internationalen Luftfrachtmarkt sowie von der Weitergabe gestiegener Kraftstoffkosten.
Rückkäufe rauf, Sparziel früher erreicht
Das Aktienrückkaufprogramm wurde um 500 Millionen auf bis zu 6,5 Milliarden Euro aufgestockt und bis Ende 2027 verlängert. Beim Effizienzprogramm Fit for Growth erreichte der Konzern die angepeilten Einsparungen von mehr als einer Milliarde Euro bereits sechs Monate früher als geplant, wie Finanzchefin Melanie Kreis erläuterte. Für das Gesamtjahr peilt DHL nun ein Konzern-EBIT von über 6,5 Milliarden Euro an, nach zuvor mehr als 6,2 Milliarden. Auch das Ziel von 3 Milliarden Euro freiem Cashflow steht.
DHL Group (ex Deutsche Post) Aktie Chart
Warum der Kurs trotzdem fiel
Der Haken liegt in der Vorgeschichte. DHL war seit Anfang April stark gelaufen, bis in die Nähe des fünf Jahre alten Rekordhochs, und lag zum Zeitpunkt der Zahlen bereits fast 22 Prozent im Plus für das laufende Jahr. Viel Positives war also schon eingepreist. Die im Juli erhöhte Prognose wurde lediglich bestätigt, und Analysten wiesen darauf hin, dass das starke Wachstum auch schwachen Vergleichswerten des Vorjahres zu verdanken ist. Die neue Guidance galt einigen zudem als weiterhin konservativ. So verlor die Aktie zeitweise gut 4 Prozent auf rund 55 Euro.
Ein weiteres Detail für Anleger: Im September schließt der Konzern die Umfirmierung ab, künftig heißt das börsennotierte Dach DHL AG statt Deutsche Post AG. Am operativen Bild ändert das nichts. Unter dem Strich zeigt DHL Stärke bei Gewinn und Effizienz, doch nach der Rally braucht es mehr als solide Zahlen, um den Kurs weiter zu treiben.
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