Deutz: Kapitalerhöhung gut verdaut – Aktie schon wieder über 12 Euro
Die Aktie des Kölner Motoren- und Verteidigungskonzerns Deutz hatte nach einer überraschenden Kapitalerhöhung zunächst rund 12,5% an Wert verloren, notiert inzwischen aber schon wieder über der 12 Euro-Marke. Auslöser des kurzzeitigen Rücksetzers war eine Kapitalerhöhung, die das Unternehmen am Montagabend der Vorwoche ankündigte.
Gut 15 Millionen neue Aktien wurden zu je 11,70 Euro ausschließlich bei institutionellen Investoren platziert. Deutz nutzte damit den vorangegangenen Kurssprung auf über 13 Euro – den höchsten Stand seit 1998 – zur Geldbeschaffung. Durch die clevere Maßnahme flossen dem Unternehmen rund 180 Millionen Euro zu. Dass sich der Kurs so schnell wieder erholt hat, zeigt: Der Markt hat die Verwässerung offenbar rasch verdaut.
Deutz nutzt Marktchancen: Vom Motorenbauer zum Verteidigungskonzern
Deutz zählt mit einer mehr als 160-jährigen Geschichte zu den ältesten Motorenherstellern der Welt. Das im deutschen Nebenwerteindex SDAX gelistete Unternehmen baut traditionell Diesel- und Gasmotoren für Baumaschinen, Landmaschinen und Stromaggregate.
In den vergangenen beiden Jahren hat sich Deutz zunehmend in Richtung Verteidigungsindustrie orientiert und liefert Antriebstechnik für Militärfahrzeuge. Mit der jetzt beschlossenen Übernahme verschiebt sich dieser Schwerpunkt deutlich weiter.
Größte Übernahme der Firmengeschichte verschiebt Geschäftsschwerpunkt
Das frische Kapital ist für die größte Übernahme der Firmengeschichte bestimmt. Anfang Juli kündigte Deutz an, die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) für rund 1,6 Milliarden Euro vollständig zu übernehmen. Etwa 1 Milliarde Euro davon werden bar bezahlt und über Bankkredite finanziert, die restlichen rund 600 Millionen Euro in neuen Deutz-Aktien, mit denen die bisherige Eigentümerfamilie der FFG künftig 29,9% an Deutz hält.
Der hohe Kreditanteil treibt den Verschuldungsgrad kurzfristig nach oben, weshalb das Management bereits bei der Präsentation der Übernahme eine Kapitalerhöhung um 10% angekündigt hatte. Offiziell dient der Erlös der „Optimierung der Kapitalstruktur“ – im Klartext senkt Deutz damit die Nettoverschuldung, sichert sich Spielraum für die Integration von FFG und hält sich die Tür für weitere, kleinere Zukäufe offen.
Übernahme-Kandidat FFG: Spezialist für gepanzerte Fahrzeuge mit großem Potenzial
Die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft ist spezialisiert auf gepanzerte Ketten- und Radfahrzeuge für Streitkräfte. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen rund 760 Millionen Euro Umsatz und arbeitet nach eigenen Angaben hochprofitabel. Der Auftragsbestand lag bei Bekanntgabe der Übernahme bei 1,9 Milliarden Euro – Deutz kauft also keinen Sanierungsfall, sondern ein Unternehmen, bei dem es rund läuft.
Rund 90% des Umsatzes entfallen auf Wartung, Reparatur, Überholung und Modernisierung bestehender Militärfahrzeuge, was für gut kalkulierbare Erlöse sorgt. FFG betreut mehr als 30 Fahrzeugplattformen und beliefert Streitkräfte in mehr als 15 Nato-Staaten; über 90% der Erlöse stammen aus Nato-Ländern und der Ukraine.
Angespannte Geopolitik: Nato-Modernisierung als Wachstumstreiber
Das mittlere Alter der Fahrzeugflotten in der Nato liegt nach Angaben von Deutz bei rund 28 Jahren – ein erheblicher Modernisierungsstau, der in den kommenden Jahren abgearbeitet werden muss und von dem FFG als etablierter Zulieferer profitieren dürfte. Das ursprünglich für 2030 ausgegebene Umsatzziel von 4 Milliarden Euro soll durch die Übernahme deutlich früher erreicht werden; für das laufende Jahr rechnet Deutz konzernweit mit 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro Umsatz. Deutz-Chef Sebastian Schulte erwartet, dass FFG im Konzern zum größten Ergebnislieferanten wird.
Die formalen Hürden für die Übernahme sind bereits genommen: Das Bundeskartellamt gab den Zusammenschluss Ende Juli frei, die außerordentliche Hauptversammlung stimmte im August mit 99,7% zu. Der Abschluss ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 vorgesehen.
Bewertung im Branchenvergleich äußerst günstig
Mit der Übernahme verschiebt sich das Geschäftsmodell von Deutz spürbar in Richtung Verteidigungsindustrie – ein Umstand, der an der Börse relevant sein dürfte, da Rüstungsunternehmen traditionell mit höheren Bewertungsmultiplikatoren gehandelt werden als klassische Motorenhersteller. Deutz weist aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 10 auf, während der Branchenschnitt der Motorenhersteller bei etwa 14 liegt. Unternehmen aus dem Sektor Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung kommen im Durchschnitt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 20.
Die Verwässerung durch die neuen Aktien betrug rechnerisch rund 10% – der Kursverlust nach der Ankündigung fiel zwischenzeitlich sogar noch höher aus. Ein Muster, das bei beschleunigten Platzierungen dieser Art häufiger zu beobachten ist. Institutionelle Käufer setzen üblicherweise einen Preisabschlag durch, während kurzfristig orientierte Anleger nach der Ankündigung aussteigen. Dass der Kurs nun schon wieder über 12 Euro steht, spricht dafür, dass die neuen Aktien im Markt zügig verteilt wurden – und das Potenzial der Aktie weiterhin als attraktiv angesehen wird.
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