Das Bundeskartellamt hat die Übernahme der FFG Flensburger Fahrzeugbau GmbH durch die Deutz AG am Freitag ohne Auflagen freigegeben. Die Wettbewerbshüter prüften den 1,6 Milliarden Euro schweren Deal im sogenannten Vorprüfverfahren und sahen keinen Anlass zum Einschreiten. Kartellamtspräsident Andreas Mundt bezeichnete den Zusammenschluss als „wettbewerblich unproblematisch“. Für Deutz ist die Freigabe ein zentraler Meilenstein auf dem Weg zu einer der größten strategischen Weichenstellungen der Unternehmensgeschichte.
FFG stellt Module für den Kampfpanzer Leopard 2 her und ist damit tief in der europäischen Rüstungsfertigung verankert. Mit der Übernahme will Deutz nach eigenen Angaben zum „führenden Systemanbieter für militärische Fahrzeuge, Antriebe und Energielösungen in Europa“ aufsteigen. Der Kölner Motorenbauer verknüpft damit sein klassisches Geschäft mit Verbrennungsmotoren erstmals in dieser Größenordnung mit der Verteidigungsindustrie.
Aktionäre müssen noch zustimmen
Formal ist der Deal damit noch nicht besiegelt. Die Aktionäre von Deutz müssen der Transaktion noch zustimmen, bevor sie vollzogen werden kann. Bemerkenswert ist die Struktur der Bezahlung: Statt einer reinen Barzahlung erhält die Eigentümerfamilie von FFG im Gegenzug eine Beteiligung von 29,9 Prozent an Deutz. Der bisherige Streubesitz verschiebt sich damit spürbar, ein neuer Ankeraktionär tritt an die Seite der bestehenden Anteilseigner.
Deutz begründet den Zukauf auch mit ambitionierten Wachstumszielen. Der Konzern will sein selbst gestecktes Umsatzziel von 4 Milliarden Euro nun früher erreichen als ursprünglich geplant. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen unverändert mit einem Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro sowie einer EBIT-Marge von 6,5 bis 8,0 Prozent. Die FFG-Integration soll dieses Wachstumstempo zusätzlich beschleunigen, ohne dass die laufende Jahresprognose bislang angepasst wurde.
Analysten uneins, Kurs reagiert positiv
Am Markt kam die Kartellamts-Entscheidung gut an: Die Deutz-Aktie schloss am Freitag bei 9,86 Euro und legte auf Tagessicht um 2,07 Prozent zu. Auf Sicht von 30 Tagen steht damit ein Plus von 11,85 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat das Papier rund 16 Prozent gewonnen. Vom 52-Wochen-Hoch bei 12,49 Euro, das Ende Februar erreicht wurde, bleibt die Aktie mit einem Abstand von gut 21 Prozent aber weiterhin deutlich entfernt – der jüngste Schub reicht also nicht, um an alte Höchststände heranzukommen.
Unter Analysten gehen die Einschätzungen zur Aktie merklich auseinander. Kepler Cheuvreux stuft das Papier mit „Kaufen“ ein und nennt ein Kursziel von 12,00 Euro, was deutlich über dem aktuellen Kursniveau liegt. Bernstein sieht das Potenzial dagegen skeptischer und vergibt lediglich ein „Halten“ mit einem Kursziel von 9,44 Euro, das nahe am derzeitigen Handelsniveau liegt. Diese Spanne spiegelt die Unsicherheit wider, wie schnell und wie profitabel sich die FFG-Integration tatsächlich niederschlagen wird.
Produktoffensive abseits des Rüstungsgeschäfts
Parallel zur Übernahme treibt Deutz auch sein ziviles Geschäft voran. Der Konzern hat eine neue Motorenfamilie namens G-Drive für die Stromerzeugung vorgestellt, aufgeteilt in zwei Leistungslinien von 30 bis 800 kVA für weniger regulierte Märkte und 30 bis 600 kVA für den strengeren Abgasstandard Stage V. Kernstück ist der neue TCD 24.0 V12 GDU-L mit 24 Litern Hubraum für größere Anlagen. Deutz zielt damit auf den wachsenden Markt für Notstromaggregate, der von Rechenzentren und dem Ausbau erneuerbarer Energien getrieben wird. Für Anleger bleibt damit die entscheidende Frage, wie sich Rüstungsgeschäft und ziviles Motorengeschäft künftig gegenseitig stützen oder belasten – die anstehende Aktionärsabstimmung zur FFG-Übernahme dürfte hierzu erste Antworten liefern.
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