Die Weichen für die größte Transaktion in der Firmengeschichte von Deutz sind gestellt. Vor gut drei Wochen billigten die Aktionäre mit 99,7 Prozent Zustimmung die Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage, mit der der Kölner Motorenhersteller den Rüstungszulieferer FFG Flensburger Fahrzeugbau übernehmen will. Seither hat die Aktie rund 3,8 Prozent zugelegt. Jetzt rückt die eigentliche Umsetzung in den Fokus.
Kartellamt hat grünes Licht gegeben
Das Bundeskartellamt hat den 1,6 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss freigegeben, damit ist eine der letzten formalen Hürden genommen. Finanziert wird der Deal unter anderem über eine Kapitalerhöhung von 600 Millionen Euro.
FFG bringt gut 1.100 Beschäftigte an neun Standorten mit, im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen rund 760 Millionen Euro Umsatz. Der Auftragsbestand liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro, das Wachstum lag seit 2023 bei rund 50 Prozent pro Jahr.
Für Deutz ist das mehr als eine Zukaufsgeschichte. Der Konzern will sich mit FFG als Kernstück eines neuen Verteidigungsgeschäfts positionieren und peilt bis 2030 einen Konzernumsatz von 4 Milliarden Euro bei einer Marge von 10 Prozent an. Das wäre ein deutlicher Sprung gegenüber der heutigen Größenordnung des Unternehmens.
Der Abschluss der Transaktion wird für das Ende dieses Jahres oder den Beginn 2027 erwartet. Bis dahin bleiben die bisherigen FFG-Eigentümer eng eingebunden: Sie sollen als Ankeraktionäre bis zu 29,9 Prozent an Deutz halten.
Kurs bereits vorgelaufen
Der Markt hat einen Teil dieser Fantasie längst eingepreist. Deutz notierte am Montag bei 10,40 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 22 Prozent zugelegt. Zum 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro, erreicht Ende Februar, fehlen noch 17 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief von 7,35 Euro im November mittlerweile 41 Prozent beträgt.
Die Aktie notiert derzeit rund 7 Prozent über ihrem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen dafür, dass der Aufwärtstrend intakt bleibt, auch wenn die kurzfristige Dynamik seit dem HV-Votum eher moderat verläuft.
Für Anleger bleibt entscheidend, ob Deutz die operative Integration von FFG so umsetzen kann, dass die avisierten Wachstumsraten tatsächlich erreichbar sind.
Die kommenden Monate bis zum geplanten Closing dürften vor allem von Fragen rund um Kartellrechtliche Auflagen in anderen Jurisdiktionen, der konkreten Kapitalstruktur nach Emission der neuen Aktien sowie ersten Details zur Integrationsplanung geprägt sein.
Bis dahin bleibt die Aktie ein Wert, dessen Bewertung stark von der Erwartungshaltung zum künftigen Rüstungsgeschäft getrieben wird – weniger von den klassischen Motorenaktivitäten, mit denen Deutz traditionell verbunden ist.
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