Ausgangslage
Die Deutsche Telekom hat am Donnerstag vergangener Woche Zahlen vorgelegt, die über den Erwartungen lagen. Das bereinigte EBITDA AL stieg im zweiten Quartal um 7,5 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro, der Konsens hatte mit 11,7 Milliarden Euro gerechnet.
Der organische Konzernumsatz wuchs um 3,3 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro, der bereinigte Nettogewinn legte um 11,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu. Der Konzern präzisierte zugleich die Prognose für den Free Cashflow AL auf rund 20 Milliarden Euro für das Gesamtjahr.
Trotz dieser soliden operativen Basis notiert die Aktie sieben Handelstage in Folge im Minus – über die vergangene Woche summierte sich der Rückgang auf 2,0 Prozent.
Der Grund liegt nicht in den Zahlen selbst, sondern in einer Frage, die sich seit vergangenem Sonntag verschärft hat: Führungskräfte der US-Tochter T-Mobile US haben laut einem Medienbericht Vorbehalte gegen eine mögliche Fusion der beiden Einheiten geäußert, ein Vorhaben mit einem Volumen von rund 300 Milliarden Dollar.
Genannt wurden regulatorische Hürden und möglicher Widerstand von Minderheitsaktionären. Für Anleger stellt sich damit eine Weichenstellung: Trägt die operative Stärke des Konzerns über eine Phase struktureller Unsicherheit hinweg?
Die entscheidende Frage
Der eine Faktor, der die kommenden Monate prägen dürfte, ist die Konzernstruktur-Frage rund um T-Mobile US. Barclays hat am 10. August das Kursziel von 36 auf 35 Euro gesenkt, die Einstufung „Overweight“ aber beibehalten – als Begründung wurden explizit die Unsicherheiten bezüglich der Neuordnung der Konzernstruktur genannt. Das ist bemerkenswert, weil die operativen Kennzahlen zum selben Zeitpunkt keinen Anlass zur Skepsis gaben.
Die Marktbewertung hängt also weniger an der Frage, ob Deutsche Telekom liefern kann, sondern daran, wie eine mögliche Neuordnung der US-Beteiligung rechtlich und politisch verläuft – und ob sie überhaupt vollzogen wird oder in der Prüfphase steckenbleibt.
Bullisches Szenario
Für Optimisten sprechen mehrere Linien zusammen. T-Mobile US meldete für das zweite Quartal einen Netto-Zuwachs von 277.000 Postpaid-Mobilfunkkunden, deutlich über dem Vorjahreswert von 217.000 – ein Zeichen, dass die US-Tochter trotz aller Strukturdebatten operativ liefert.
JPMorgan bestätigte am Tag der Quartalszahlen die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 38 Euro und lobte, dass das Deutschland- und Europageschäft die Erwartungen leicht übertroffen habe.
UBS sah nach den Zahlen das ausgeweitete Aktienrückkaufprogramm als wesentlichen Kurstreiber. Der Vorstand hatte das laufende Programm auf bis zu 5 Milliarden Euro aufgestockt, begründet mit einer aus seiner Sicht bestehenden Unterbewertung der Aktie.
Allein im Juli erwarb der Konzern gut 6,36 Millionen eigene Aktien über die Börse. Hält die Cashflow-Stärke – die Prognose von rund 20 Milliarden Euro für das Gesamtjahr steht – bliebe der Rückkauf ein struktureller Stützpfeiler, unabhängig davon, wie die US-Debatte ausgeht.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt in der Kombination aus struktureller Unsicherheit und externem Wettbewerbsdruck. Scheitert oder verzögert sich die Fusion der US-Einheiten an regulatorischem Widerstand oder an Einwänden von Minderheitsaktionären, könnte das die strategische Planungssicherheit für Jahre belasten – ein Verfahrensschritt allein wäre noch kein Etappensieg, ein Scheitern aber ein handfester Rückschlag für die Bewertungsstory. Hinzu kommt laut einem Medienbericht wachsender Wettbewerbsdruck durch den Ausbau der Satelliten-Direktverbindungen von SpaceX, der klassische Mobilfunkanbieter wie Deutsche Telekom und AT&T zunehmend herausfordert.
Auch der Stellenabbau bei T-Mobile US – rund 4.700 Vollzeitstellen weniger im ersten Halbjahr auf nun 65.365 – zeigt, dass die US-Tochter selbst unter Kostendruck steht, während sie gleichzeitig Wachstum liefern soll. Die drei Barclays-Analysten senkten ihr Kursziel just wegen dieser strukturellen Gemengelage, nicht wegen der operativen Zahlen.
Ausblick
Solange die Cashflow-Guidance von rund 20 Milliarden Euro Bestand hat und das Rückkaufprogramm im geplanten Volumen fortgeführt wird, dürfte die Aktie ihren fundamentalen Boden behalten – der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt ist mit minus 0,4 Prozent ohnehin gering, was auf eine grundsätzlich intakte mittelfristige Verfassung hindeutet.
Kippt hingegen die Fusionsfrage in einen offenen Konflikt zwischen Konzernmutter und Minderheitsaktionären der US-Tochter, dürfte die Unsicherheitsprämie in der Bewertung wachsen, wie es Barclays bereits andeutet.
Der nächste konkrete Prüfstein wird sein, ob und wie sich Deutsche Telekom und T-Mobile US in den kommenden Monaten öffentlich zur Struktur-Debatte positionieren – bis dahin bleibt die Aktie zwischen starken Quartalszahlen und einem ungelösten strategischen Fragezeichen gefangen.
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