Liebe Leserin, lieber Leser,
vor gut einer Woche war der Aktie der Deutschen Telekom ein kleiner Kurssprung gelungen. Von zuvor 28,79 Euro war es binnen weniger Stunden bis auf 29,43 Euro nach oben gegangen. Hintergrund war die Kaufempfehlung durch Goldman Sachs mit einem hohen Kursziel. Doch seitdem kamen die Papiere des Bonner Konzerns nicht mehr weiter voran, im Gegenteil. Nachdem die T-Aktie am Dienstag kurzzeitig bei 29,56 Euro gehandelt worden war, steht sie aktuell wieder deutlich tiefer bei noch 29,35 Euro. Gut möglich, dass die aktuellen Ereignisse im Tarifkonflikt mit ver.di nicht nur für Ärger unter Telekom-Kunden sorgen, sondern auch für Sorgen unter Anlegern.
Deutsche Telekom Aktie Chart
ver.di rief für diese Woche erneut zu Streiks auf
Denn vor den entscheidenden Tagen der vierten Tarifverhandlungsrunde Deutsche Telekom am Dienstag und Mittwoch rief die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft in dieser Woche bundesweit zu Warnstreiks auf, „um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen“, wie es hieß. Bereits in den vergangenen Wochen hatte Verdi die Beschäftigten mehrmals zu Warnstreiks aufgerufen, mit dem Aufruf vom Dienstag gehen die Warnstreiks bereits in die fünfte Woche.
- Die Streikmaßnahmen insgesamt seien sehr wirkungsvoll gewesen, erklärte ver.di-Arbeitskampfleiter Pascal Röckert in einer Mitteilung
- In der vorangegangenen Woche hatten sich demnach mehr als 10.000 streikende Telekom-Beschäftigte an Demonstrationen in 12 Städten beteiligt
Kunden der Deutschen Telekom mussten warten
Es habe in der Folge „enorme Wartezeiten“ im Kundenservice gegeben, Techniker-Termine hätten abgesagt werden müssen und T-Shops seien zum Teil geschlossen worden. Für das Unternehmen zweifellos keine gute Situation. ver.di fordert in der „Tarifrunde Deutsche Telekom“ eine Entgeltsteigerung in Höhe von 6,6 Prozent, bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten. Zusätzlich fordert ver.di die Einführung eines ver.di-Mitgliederbonus in Höhe von 660 Euro im Jahr.
„In der entscheidenden Verhandlungsrunde muss es eine deutliche Bewegung der Arbeitgeber geben“, so ver.di-Arbeitskampfleiter Röckert. Unter den Beschäftigten wachse Unmut und Enttäuschung über die Arbeitgeber. „Während die Vorstände auf social media die starke Leistung der Beschäftigten hervorheben, welche erneut ein Rekordergebnis für den Konzern eingebracht hat, vermissen die Beschäftigten diese Anerkennung in ihrer Tarifrunde.“
Goldman-Kursziel für Telekom-Aktie bei 40 Euro
Welche Auswirkungen der Arbeitskampf auf das Ergebnis der Telekom in zweiten Quartal 2026 haben wird, bleibt abzuwarten. Mit dem abgelaufenen jedoch war Andrew Lee von Goldman Sachs äußerst zufrieden. Der Quartalsbericht habe „für Klarheit gesorgt hinsichtlich der strategischen Optionen der Bonner und der Wettbewerbssituation in den USA“, schrieb der Analyst am Dienstag vergangener Woche. Der Druck durch Verizon sei, anders als von manchen Anlegern befürchtet, nicht gestiegen. So setzt Lee weiter auf ein durch die Tochter T-Mobile US getriebenes Wachstum und stetig steigende Markterwartungen.
Die US-Investmentbank hat die Einstufung für Deutsche Telekom in der Folge mit einem Kursziel von 40 Euro auf „Buy“ belassen – knapp 40 Prozent über dem aktuellen Kursstand. Die Aktien stehen zudem auf der Conviction-Liste mit den überzeugendsten Anlageideen von Goldman Sachs
Analysten bestätigten ambitionierte Prognosen
Auch andere Analysten sind bezüglich der Bonner zuversichtlich. Dies zeigen die laut finanzen.net nach den Zahlen aufgerufenen Prognosen. Eine Auswahl:
- JP Morgan: 40,00 EUR, +37,55%
- UBS: 36,20 EUR, +24,48%
- Deutsche Bank: 42,00 EUR, +44,43%
- Bernstein Research: 37,00 EUR, +27,24%
Am optimistischsten zeigte sich demnach Robert Grindle von Deutsche Bank Research: Er hatte die Einstufung für die Telekom-Aktie mit einem fairen Wert von 42 Euro auf „Buy“ belassen. Das erste Quartal sei beruhigend gewesen, schrieb er in seiner ersten Reaktion. Der Analyst hob zudem die erhöhten Konzernziele und den starken Free Cashflow außerhalb der USA hervor.
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