Liebe Leserin, lieber Leser,
der Aktie der Deutschen Telekom ist am Dienstag Beeindruckendes gelungen: Zwei Wochen zuvor noch am Boden mit einer Bewertung von 26 Euro, waren die Papiere des Telekommunikations-Unternehmens erstmals seit Monaten wieder mehr als 30 Euro wert. Die Ankündigung vom Montag, die T Cloud Public zur vollwertigen, souveränen High-Tech-Alternative für Europa auszubauen, hatte der Telekom-Aktie offenbar Flügel verliehen. Nun folgte bereits der nächste Streich: In München ging Deutschlands erste KI-Fabrik an den Start – mit Beteiligung von US-Chip-Riese Nvidia.
Deutsche Telekom und Nvidia legen in München los
Die Deutsche Telekom nehme heute ihre Industrial AI Cloud im Beisein von namhaften Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft offiziell in Betrieb, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die KI-Fabrik wurde demnach in den letzten sechs Monaten gemeinsam mit Nvidia und dem Datacenter-Partner Polarise aufgebaut.
„Die Telekom stellt damit Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie dem öffentlichen Sektor in Deutschland und Europa hoch performante, souveräne Rechenleistung für Künstliche Intelligenz (KI) zur Verfügung“, heißt es. Die Bonner betreiben die KI-Fabrik nach eigenen Angaben „unter strengen Anforderungen an Datenschutz, Sicherheit und Verfügbarkeit auf deutschem Boden“.
- Mit dem Aufbau der KI-Fabrik im Münchner Tucherpark entstehe ein neuer KI-Hub für Deutschland
- Gleich mehrere Unternehmen nutzen die KI-Rechenkapazitäten der Mitteilung zufolge „ab sofort“
KI-Fabrik zu gut einem Drittel ausgelastet
So kombiniere der Münchner Anbieter Agile Robots beispielsweise künstliche Intelligenz mit Robotik und bringe dafür sein KI-Fundament in die Industrial AI Cloud ein, so die Telekom. Dazu gesellt sich etwa PhysicsX – ein Unternehmen, dass sich laut Mitteilung auf technische Simulation spezialisiert hat, um die Entwicklungszeit von Produkten und Produktteilen verkürzen. Die KI-Fabrik ist den Angaben zufolge mit den bisherigen Kunden bereits zu mehr als ein Drittel ausgelastet.
Die Infrastruktur in der Münchner Industrial AI Cloud basiert laut Telekom auf rund 10.000 Blackwell GPUs von Nvidia, darunter NVIDIA DGX B200 Systeme und NVIDIA RTX PRO™ Server GPUs, die eine Rechenleistung von bis zu 0,5 ExaFLOPS liefern. Damit könnten theoretisch „alle 450 Millionen EU-Bürger gleichzeitig einen KI-Assistent bzw. Chatbot nutzen“, heißt es.
Deutsche Telekom Aktie Chart
Telekom-CEO Höttges gibt sich selbstbewusst
„Wir reden nicht, die Telekom macht”, gibt sich Tim Höttges, CEO Deutsche Telekom, selbstbewusst. Man investiere in KI, in den deutschen Standort und in Europa. „Unsere KI-Fabrik in München ist die Basis für innovative Geschäftsmodelle, für die Industrie, Start-ups und den Staat – und für Souveränität. Wir beweisen hier, dass Europa KI kann“, so der Telekom-Chef.
- Bisher nutzen viele Unternehmen KI seiner Meinung nach „zurückhaltend, weil sie den Abfluss ihrer Daten außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums fürchten“
- Dadurch aber entgingen ihnen Kostenvorteile mit entsprechend (negativen) Auswirkungen auf Ihre Wettbewerbsfähigkeit, glaubt Höttges
Mit T Cloud Public gegen die US-Übermacht
Erst zum Wochenbeginn hatte die Telekom die T Cloud Public angekündigt, die zur vollwertigen, souveränen High-Tech-Alternative für Europa ausgebaut werde. Bis Ende 2026 soll die Plattform die Feature-Lücke zu den US-Anbietern bei zentralen Core-Features deutlich reduzieren und biete eine skalierbare Infrastruktur sowie spezialisierte KI-Dienste auf wettbewerbsfähigem Niveau. „Damit wird die T Cloud Public zum produktiven Rückgrat für die Industrie, um KI-Strategien wirtschaftlich, sicher und ohne globale Abhängigkeiten umzusetzen“, hieß es.
„Bis Ende 2026 werden wir die vollständige Feature-Parität erreichen“, verspricht T-Systems-CEO Ferri Abolhassan. Die T Cloud Public biete Unternehmen ein einsatzbereites Toolkit für moderne IT-Infrastrukturen. Ein zentraler Vorteil sei der direkte Zugang zu knappen GPU-Ressourcen, über die nahtlos kombinierbare Industrial AI Cloud. Die Telekom nennt dies angesichts der bisherigen Übermacht der US-Firmen „die europäische Antwort auf den Hyperscaler-Markt“.
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