Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kursentwicklung bei der Aktie der Deutschen Telekom bleibt wackelig. Nachdem die Papiere zur Mitte der vergangenen Woche auf rund 28,50 Euro zugelegt hatten, ging es mit den Bonnern erst einmal wieder zurück auf 27,75 Euro im Laufe des Donnerstags. Vor dem Wochenende dann die nächste Trendwende, die Telekom-Aktie wurde auf sogar 28,59 Euro gehoben. Der Zickzack-Kurs zeigt wohl eines: Es scheint, als sei die Lage des Telekomunikations-Unternehmens derzeit schwer einzuschätzen. Das gilt für Anleger genauso wie für Analysten.
Niedriges Telekom-Kursziel durch JP Morgan
Akhil Dattani von der US-Bank JP Morgan etwa hatte die Einstufung für Deutsche Telekom zum Monatsanfang mit einem Kursziel von lediglich 27,50 Euro auf „Overweight“ belassen – was angesichts des Kursniveaus von damals knapp 29 Euro nicht zusammenpassen wollte. Prinzipiell sei nachvollziehbar, warum sich ein aktivistischer Investor für die Bonner interessieren könnte, schrieb Akhil Dattani laut finanzen.net anlässlich der Spekulationen um einen Einstieg von Elliott. Die Aktie erscheine extrem günstig trotz attraktiven Gewinnsteigerungen. Die Aktien würden belastet von „einem einzigartigen Cocktail strategischer Probleme“.
Zudem sei der im Raum stehende Zusammenschluss mit der US-Tochter T-Mobile US so komplex, dass sich eine breite Front dagegen gebildet habe. Auch hier könnte ein aktivistischer Investor auf der einen oder der anderen Seite Position beziehen. Für eine Neubewertung müsse die Telekom die „künftige Beziehung zur US-Tochter plausibel machen und obendrein deren Probleme angehen“, so der US-Analyst.
Barclays mit weit höherer Prognose
Stimmiger war die Einschätzung durch die britische Investmentbank Barclays: Sie hatte die Telekom-Aktie am selben Tag mit einem Kursziel von 35 Euro auf „Overweight“ belassen. Die Vorteile eines Zusammenschlusses mit der Tochter T-Mobile US seien ihm unklar, schrieb Mathieu Robilliar anlässlich des Berichts über einen Einstieg des aktivistischen Investors Elliott. Elliott sei demnach gegen die im Raum stehenden Verschmelzungspläne und favorisiere stattdessen noch höhere Renditen für die Anleger. Robilliard sieht die Telekom bei letzterem allerdings „bereits auf dem richtigen Weg“.
Noch allerdings hat die T-Aktie sich auf Monatssicht praktisch nicht vom Fleck bewegt. 28,52 Euro standen am 11. August auf dem Kurszettel. Daran änderten auch die durchgehend höheren Prognosen aus dem August nach dem Quartalsbericht der Telekom nichts, die finanzen.net auflistet:
Deutsche Bank sieht bei T-Aktie viel Potenzial
- UBS: 36,20 EUR, +28,10%
- Deutsche Bank: 40,00 EUR, +41,54%
- Bernstein Research: 37,00 EUR, +30,93%
- Berenberg Bank: 35,20 EUR, +24,56%
Besonders zuversichtlich zeigte sich Robert Grindle von Deutsche Bank Research, der die Einstufung für Deutsche Telekom nach Zahlen auf „Buy“ mit einem Kursziel von 40 Euro belassen hatte. Das zweite Quartal sei beruhigend verlaufen, schrieb in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Er hob vor allem die Anhebung der Ziele für Aktienrückkäufe und den freien Barmittelzufluss im laufenden Jahr positiv hervor.
Deutsche Telekom „Opfer des eigenen Erfolges“
Einzig Florian Treisch, Analyst bei Kepler Cheuvreux, hatte Ende August eine etwas andere Sichtweise: In einem aktuellen Research-Bericht schrieb er laut der IT Times, dass die Telekom gewissermaßen „Opfer des eigenen Erfolgs“ sei. Nach dem guten Lauf der Aktie rückten Bewertung, fehlende kurzfristige Kurstreiber und vor allem der zunehmende Wettbewerbsdruck in den USA für T-Mobile US stärker in den Vordergrund.
Die Telekom sei per se kein schlechtes Unternehmen, so Treisch. Vielmehr habe sich das Chance-Risiko-Verhältnis negativ verändert. Viel Positives sei inzwischen bekannt und zumindest teilweise im Aktienkurs enthalten. Die Telekom müsse nun neue operative Überraschungen liefern, um die Bewertung zu steigern, so der Analyst.
- In der Folge senkte Kepler Cheuvreux das Kursziel für die Telekom-Akjtie von 35 auf 32 Euro
- Damit erkennt das Finanzinstitut allerding trotz „Neutral“-Bewertung noch Luft nach oben
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