Goldman Sachs hat heute sein Bewertungsmodell für europäische Telekomwerte überarbeitet und sieht bei der Deutschen Telekom erhebliches Aufwärtspotenzial. Die Analysten setzen ein Kursziel von 40 Euro an – das entspricht einem Potenzial von 41 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Die Aktie notiert derzeit bei 27,90 Euro, dem gleichen Stand wie zum gestrigen Schlusskurs.
Kern der Goldman-These ist die US-Tochter T-Mobile US, die nach Einschätzung der Bank rund 80 Prozent des für 2027 erwarteten freien Cashflows des Konzerns beisteuern soll.
Die Analysten rechnen sektorweit mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum des freien Cashflows von 14 Prozent zwischen 2026 und 2030, verbunden mit steigenden Aktionärsrenditen – 6 Prozent für 2027, 7 Prozent für 2028. Im selben Zug hob Goldman auch andere europäische Telekomwerte an: BT Group um 62 Prozent auf 330 Pence, Telefonica um 34 Prozent auf 4,90 Euro, und Vodafone erhielt gleich ein Rating-Upgrade von „Sell“ auf „Buy“ mit einem auf 155 Pence fast verdoppelten Kursziel.
Kursziele weit auseinander, Analystenhäuser uneins
Die Bandbreite der Einschätzungen zur Telekom-Aktie ist ungewöhnlich groß. Während Goldman Sachs mit 40 Euro am oberen Ende liegt, sehen Barclays 35 Euro, UBS 36,20 Euro, Bernstein 37 Euro und die Deutsche Bank ebenfalls 40 Euro als fairen Wert. JPMorgan bildet mit einem Kursziel von 27,50 Euro das deutliche Schlusslicht – nahezu auf Höhe des aktuellen Kurses.
Diese Divergenz spiegelt sich auch charttechnisch: Analysten von sharedeals.de sehen die Aktie in einer Handelsspanne zwischen 26,40 und 29,50 Euro gefangen. Ein Ausbruch nach oben würde demnach den Weg zu 31 Euro freimachen, ein Rückfall unter die untere Marke könnte die Aktie bis auf ihr 52-Wochen-Tief von 23,54 Euro drücken.
Fundamental steht der Konzern derweil solide da. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz organisch um 3,3 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA nach Leasing legte organisch um 7,3 Prozent zu.
Für den freien Cashflow 2026 rechnet die Telekom mit rund 20 Milliarden Euro. Das laufende Aktienrückkaufprogramm wurde von 3 auf bis zu 5 Milliarden Euro aufgestockt – ein Punkt, an dem sich auch die Diskussion um den Investor Elliott entzündet, der seit vergangenem Sonntag eine Beteiligung am Konzern aufgebaut hat und laut Reuters gegen die Fusion mit T-Mobile US argumentiert sowie stärkere Rückkäufe fordert.
Kursbild bleibt angespannt
Trotz der optimistischen Analystenstimmen zeigt sich die Aktie charttechnisch angeschlagen. Auf Sicht von sieben Tagen verlor das Papier 3,5 Prozent, auf 30-Tage-Sicht 2,3 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro, erreicht Ende Februar, beträgt der Abstand mittlerweile 19 Prozent.
Der Relative-Stärke-Index von 45,8 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 32 Prozent auf erhöhte Nervosität im Handel hindeutet.
Belastend wirkte am Markt zuletzt das gesamtwirtschaftliche Umfeld: Steigende US-Staatsanleiherenditen und ein fester Ölpreis drückten heute auf die Stimmung im DAX insgesamt, was auch defensive Werte wie die Telekom-Aktie nicht ganz unberührt ließ.
Die nächste konkrete Bewährungsprobe für die Aktie dürften die Quartalszahlen am 5. November liefern, wenn sich zeigen muss, ob der Konzern seine Cashflow-Ziele bestätigen kann – und ob sich die optimistischen Kursziele der Analysten als tragfähig erweisen.
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